Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Medizinische Fakultät Mannheim
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Arbeitsgruppe Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede

Quantitative sensorische Testung (QST) bei neuropathischem Schmerz

Läsionen im peripheren oder zentralen Nervensystem können neben motorischen und sensiblen Defiziten auch chronische Schmerzen verursachen ("Neuropathische Schmerzen"). Diese gehen oft mit gesteigerter Schmerzempfindlichkeit der Haut einher (Hyperalgesie und Allodynie). In diesem Projekt haben wir ein standardisiertes Protokoll der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) für den Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz entwickelt und betreuen die Erstellung einer Normwertdatenbank und multizentrische Therapiestudien. Im Rahmen des DFNS werden in Zusammenarbeit mit der Neurologie systematisch Sensibilitätsprofile verschiedenster Krankheiten erstellt.

QST-Untersuchung an der Hand
QST-Untersuchung an der Hand

Die quantitative sensorische Testung (QST) zur Messung von Schmerz- und Wahrnehmungsschwellen dient der Erfassung von Symptomen, die auf spezifische neurobiologische Mechanismen von chronischem Schmerz hinweisen. Dabei lassen sich Symptome einer veränderten Schmerzempfindlichkeit wie z.B. eine thermische oder mechanische Hyperalgesie, sowie dynamisch mechanische Allodynie beschreiben (1). Diese und andere Symptome charakterisieren wesentliche neurobiologische Mechanismen, die zur Entstehung des neuropathischen Schmerzes beitragen. QST wird entsprechend einem von uns für das BMBF-Netzwerk "Deutscher Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz" (DFNS) entwickelten Protokoll standardisiert durchgeführt (2). Im Rahmen einer Multizenterstudie wurde eine Normwertdatenbank mit 180 Normprobanden erstellt (3). Klinisch wird diese neue Methodik zur verbesserten Schmerzdiagnostik stationärer und ambulanter Patienten eingesetzt (4).

Aktuell werden in dem verbundübergreifenden QST-Projekt des DFNS die Validität, Reliabilität und Möglichkeiten zur Qualitätssicherung der Messmethode evaluiert. In einem multizentrischen Ansatz wird eine Reliabilitätsuntersuchung (Test-Retest- und Interobserver-Reliabilität) durchgeführt, anhand derer die Stabilität der Messungen überprüft wird (5). An den Zentren (Mainz, Kiel und München) werden hierzu je 12 Patienten rekrutiert. Die so gewonnenen Daten erlauben Aussagen über die Reproduzierbarkeit von Messungen zwischen den Zentren und bei Wiederholungsmessungen im Rahmen von Studien. Zur Validierung der QST-Methode wurde ein Messplatz etabliert, an dem alle QST-Parameter mit Hilfe verschiedener mechanischer Sensoren untersucht werden. Dieser Messplatz wird auch im Rahmen von QST-Schulungen eingesetzt, um die exakte Applikation der QST-Reize zu trainieren und trägt somit zur Qualitätssicherung bei.

In Zusammenarbeit mit weiteren Zentren des DFNS (Kiel, TU München) werden die sensorischen Veränderungen nach experimentell induzierten neuropathischen Schmerzsyndromen (intradermale Capsaicin-Aplikation, A-Faser-Leitungsblockade) mit Hilfe eines standardisierten, Z-transformierten QST-Profils charakterisiert. Die beiden humanen Surrogatmodelle neuropathischen Schmerzes werden mit 12 gesunden Versuchspersonen pro Zentrum durchgeführt. Anschließend sollen die QST-Profile der Surrogatmodelle mit denen von Patienten verglichen werden: Dies erlaubt Rückschlüsse auf den zu Grunde liegenden neuropathischen Schmerzmechanismus. Der letzte Projektabschnitt befasst sich mit einer Vereinfachung des QST-Protokolls. Ziel ist hier eine Reduzierung der QST-Testbatterie auf ein in der klinischen Praxis durchführbares Maß auch außerhalb des DFNS.

Ansprechpartner:

PD Dr. W. Magerl    walter.magerl@medma.uni-heidelberg.de

Methoden:

QST, Schmerzfragebögen

Kooperation:
  1. Univ.-Prof. Dr. M. Dieterich, Klinik und Poliklinik für Neurologie
  2. Univ.-Prof Dr. med. F. Birklein, Klinik und Poliklinik für Neurologie
  3. Univ.-Prof. Dr. med. P. Stoeter, Dr. S. Boor, Institut für Neuroradiologie
  4. Prof. Dr. med. A. Eckhardt, Dr. P. Drees, Orthopädische Klinik und Poliklinik
  5. PD. Dr. Dr. med. Daubländer; Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
  6. Dr. med. S. Seddigh, DRK-Schmerz-Zentrum Mainz
  7. Deutscher Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz