Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Medizinische Fakultät Mannheim
Chirurgische Klinik
Universitätsklinikum Mannheim
  Startseite der Fakultät Kontakt, Postanschrift, Impressum Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Sitemap   

Universität Heidelberg  >  Fakultäten  >  Klinische Medizin Mannheim  >  Chirurgie  > Ernährungsambulanz

 

Die Geschichte der Ernährungsmedizin

Die Ernährungsmedizin als selbständige Disziplin selbst ist sehr jung. Die Wurzeln dieses Fachgebiets reichen doch weit in die Vergangenheit. Vor 6000 Jahren schon beschäftigten sich die chinesischen und indischen Heilkundigen neben Heilkräutern auch mit der Zubereitung und der Auswahl von Lebensmitteln um die menschliche Gesundheit zu unterstützen. In den alten Schriften der Ägypter, Israeliten und Perser gibt es ausführliche Empfehlungen für den Gebrauch von Speisen und Getränken zur Behandlung von Krankheiten. Bis in die Mitte unseres Jahrhunderts wurde überwiegend nach Möglichkeiten gesucht, wie man einem Patienten Nahrung zuführen kann. Die Frage nach speziellen Diäten stellte sich zunächst nicht.

 

Nährklistier:

Bereits vor Jahrtausenden wurden Patienten, die nicht essen konnten oder wollten, Nahrung über einen Darmeinlauf, einem Nährklistier, in den Enddarm verabreicht. Detaillierte Beschreibungen hierüber liegen beispielsweise von ca. 3400 v.Chr. vor. Dabei wurden beispielsweise Schafsmilch, Honig, Schmalz, Muttermilch oder Wein verwendet. Es wurde betont, daß die Nährstoffe über mehrere Stunden im Enddarm verbleiben mußten. Erst viel später wurde erkannt, daß die rektal zugeführte Nahrung nur dann in nennenswertem Maße aufgenommen werden konnte, wenn sie die anatomische Schranke zwischen Dickdarm und Dünndarm überwinden könnte. Es klingt zwar verwunderlich, aber diese Art der Nahrungszufuhr wurde – zusätzlich zu anderen Zufuhrwegen _ noch bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts praktiziert.

 

Parenterale Ernährung:

Unter einer parenteralen Ernährung versteht man die Verabreichung von Nährstoffen direkt in das Blut. Dies erfolgt meist über großkalibrige Katheter, die zuvor in meist zentrale Venen implantiert wurden. Da die rektale Gabe von Nährstoffen letztlich zu einer unzureichenden Ernährung führte, beschätigten sich Wissenschaftler frühzeitig mit der Möglichkeit der parenteralen Ernährung. Erst die Entdeckung des Blutkreislaufes 1628 lieferte die Grundlage für diese Möglichkeit der Nährstoffzufuhr. Wie nicht anders zu erwarten, waren diese Versuche aufgrund mangelnden oder fehlenden Wissens über notwendige Zusammensetzungen intravenös verabreichbarer Nährstofflösungen und über einzuhaltende hygienische Bedingungen lange Zeit erfolglos. Es dauerte bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts bis alle Nährlösungen und technischen Hilfsmittel zu einer vollständigen und sicheren parenteralen Ernährung zur Verfügung standen, wie wir sie heute kennen. Versuche, Nährlösungen subkutan (in das Unterhautfettgewebe) zuzuführen, waren ebenfalls zum Scheitern verurteilt und wurden nicht weiter verfolgt. Diese scheinbar einfache Form der Ernährung erwies sich nach einigen Jahren, als nicht ganz komplikationslos. Neben häufig beobachteten Katheterinfektionen zeigten sich im Laufe der Jahre durch eine ungenügend bilanzierte parenterale Ernährung ausgelöste Mangelerscheinungen verschiedenster Art. Durch eine Verbesserung der Nährsubstrate konnten diese Mangelerscheinungen vermieden werden.

 

Enterale Ernährung

Unter einer enteralen Ernährung versteht man die Zufuhr von Nährstoffen in den Magen_Darmtrakt über den Mund (oral) oder über eine Ernährungssonde. Im 12. Jahrhundert findet sich erstmals eine Beschreibung über die Ernährung eines Patienten mit einer Speiseröhrengeschwulst (stenosierendes Speiseröhrenkarzinom). Dieser Patient wurde über eine in den Rachenraum eingeführte Silberkanüle ernährt. Erst 1570 findet sich erneut die Schilderung der oralen Ernährung über eine mit einer Blase versehenen Röhre. Es wurden verschiedene Wege der Nahrungszufuhr erwähnt, u.a. auch die Einfuhr eines mit Lammdarm umhüllten Röhrchens durch die Nase (!) in den Schlund. Der nächste Schritt war die Entwicklung der ersten flexiblen Schlund_ und Magenröhrchen, sog. Sonden im Jahre 1644. Aus dem Jahre 1695 stammt die früheste Abbildung über die Nahrungszufuhr mit einer Injektionsspritze. Die Entwicklung von neuen Kunststoffen am Ende der 60er Jahre machte auch eine Fertigung von flexiblen und weichen Sonden möglich über die dann nach Plazierung in Magen oder Dünndarm eine enterale Ernährung erfolgen konnte. Ende der 80er Jahre entwickelte Keymling eine flexible Ernährungssonde die mit Hilfe einer Gastroskopie (Magenspiegelung) direkt über die Bauchdecke in den Magen wird. Diese sogenannte PEG erleichterte die enterale Langzeiternährung ungemein und brachte den betroffenen Patienten einen ungeahnten Zuwachs an Lebensqualität. Viele neuentwickelte Nährlösungen können heute eine parenterale Ernährung komplett ersetzen.

 

Zurück

Top

Verantwortlich:  M. Schlüter letzte Änderung: 28 Juli 2009 Webmaster