Chirurgie der Leber
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Prof. Dr. P.
Hohenberger
Inhalt:
Leberabszesse
Echinokokkuszyten
Benigne
Lebertumoren
Leberzysten
Fokal Noduläre
Hyperplasien (FNH)
Adenome
Hämangiome
Maligne
Lebertumore
werden durch bakterielle (90%) (E.coli, Klebsiellen) oder parasitäre
(10%) Infektionen verursacht. Leberabszesse werden in der Regel primär chirurgisch
interventionell versorgt. Das heißt unter sonografischer Kontrolle wird der Abszess
punktiert. In sog. Seldinger_Technik wird dann in lokaler Betäubung ein Drainagekatheter
über einen Führungsdraht sonografisch gesteuert eingelegt. Diese Technik hat den Vorteil
daß man den Bezirk atemabhängig ideal einstellen kann und die Punktion schmerzfrei mit
geringer allgemeiner Belastung des Patienten durchgeführt werden kann. Im 2. Schritt
erfolgt dann, nach Rückbildung der akuten Beschwerden, die Sanierung des verursachenden
Herdes wenn nötig z. B.: die laparoskopische Gallenblasenentfernung und/ oder
Gallengangsrevision.
Auch bei Amöbenabszessen, die primär medikamentös behandelt werden, kann die primäre
Punktion und ggf. auch Drainage unter begleitender Antibiose den Verlauf entscheidend
erleichtern zumal es oft zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der Amöbenabszesse
kommt.
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Der Echinokokkus granulosus cysticus (Hundebandwurm) befällt in 2/3
der Fälle die Leber und führt zu abgekapselten mit sog. Hydatiden gefüllten Zysten die
durch chronischen Entzündungsreiz und Vernarbung zum Teil auch verkalken können. Dieses
Krankheitsbild mit oft großen Leberraumforderungen nimmt naturgemäß bei der regen
Auslandsreisetätigkeit und Zuwanderung wieder zu. Führt die spezifische medikamentöse
Therapie nicht zur kompletten Remission dann wird unter Albendazole_schutz eine Hydatektomie
(Entfernung der E.Zyste) durchgeführt. Zum Abtöten des infektiösen Zysteninhalts wird
intraoperativ zuerst hyperosmolare NaCl_Lösung in die E.Zysten instilliert, danach werden
die Zysten ausgeräumt. Oft haben die Echinokokkuszysten noch eine nachweisbare Verbindung
zu den Gallenwegen.
Leberzysten kommen sehr häufig vor, sie haben einen sterilen
Zysteninhalt und stellen nur bei lokalen Beschwerden eine Op_indikation dar. Leberzysten
werden laparoskopisch eröffnet und entlastet. Die Patienten benötigen nur einen
stationären Kurzaufenthalt. Ebenso wird bei Zystenlebern (multiple Zysten in der Leber)
ein laparoskopisches sog. Deroofing (Abdeckeln) durchgeführt.
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Fokal Noduläre Hyperplasien = FNH sind eigentlich harmlos, die Tumoren
bestehen aus funktionierendem Lebergewebe und sind als absolut gutartig einzuschätzen.
Jedoch können diese FNH Raumforderungen gelegentlich differentialdiagnostische
Schwierigkeiten bereiten (Abgrenzung zu Adenomen, fibrolamellären hepatozellulären
Karzinomen) zudem können sie allein durch ihre Größe Druck_ und
Verdrängungsbeschwerden verursachen. Die FNH _ Knoten werden durch eine sog. atypische
Resektion entfernt. Atypsich bedeutet daß der Tumor mit einem sparsamen Saum
von gesundem Lebergewebe entfernt wird. Die Resektionsgrenzen verlaufen also nicht wie die
Lebersegmente und so wird so viel wie möglich gesundes funktionierendes Lebergewebe
erhalten.
Adenome können maligne entarten. Zudem kann es zu
akuten Tumor_Einblutungen kommen. Bei dem radiologischen Nachweis eines Leber_Adenoms
besteht somit eine Indikation zur Operation. Auch die Leberadenome werden atypisch mit
schmalem Sicherheitssaum entfernt. Eine präoperative Leberpunktion führt diagnostisch
nicht weiter.
Hämangiome kommen sehr häufig vor und stellen nur bei
Größen_bedingten lokalen Beschwerden oder sehr selten Thrombozytenverbrauch bei
Riesenhämangiomen eine Op_Indikation dar.
Bei den Operationen von benignen Lebertumoren besteht prinzipiell die Möglichkeit der Eigenblutspende
in der Vorbereitungszeit. Zudem verwenden wir generell bei der Operation eines benignen
Lebertumors einen Cell_Saver zur Blutrückgewinnung des Patientenblutes.
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Am häufigsten ist das hepatozelluläre Karzinom (90%).
Bei den primären Lebertumoren dem hepato_zellulären Karzinom (HCC),
dem cholangio_zellulären Karzinom (CCC) und den seltenen restlichen primären
Hepatomen spielt die Restleberfunktion eine entscheidende Rolle für die Therapiewahl. Oft
liegt eine äthyltoxisch oder Hepatitis bedingte Zirrhose vor. Wichtig ist die Abgrenzung
von Regeneratknoten vom Tumor _ dies gelingt am besten in der Ultraschnellen
Kernspintomographie mit Leberspezifischen Kontrastmitteln. Bei dem Vorliegen einer
Zirrhose (80%) helfen neben der klinischen Einschätzung zur Operationsindikation die
Child_kriterien zur Einschätzung der Leistungsreserve der Leber:
Child_Pugh_Kriterien zur Einteilung des Schweregrades einer Zirrhose:
| |
1 Punkt |
2 Punkte |
3 Punkte |
| Albumin i. S. (g/dl) |
> 3,5 |
2,8 _ 3,5 |
< 2,8 |
| Bilirubin i. S. (mg/dl) |
< 2,0 |
2,0 _ 3,0 |
> 3,0 |
| Quick (%) |
> 70 |
40 _ 70 |
< 40 |
| Aszites (Sono) |
0 |
+ _ ++ |
+++ |
| Enzephalopathie |
0 |
I _ II |
III _ IV |
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Die Addition der Punkte ergibt das Child_Stadium:
Child A = 5 _ 6 Punkte
Child B = 7 _ 9 Punkte
Child C = 10 _ 15 Punkte
Zur weiteren Einschätzung der Leberfunktion führen wir präoperativ
den sog. MegX_TestR durch (hierbei wird die Lidocain _
Metabolisierungsfähigkeit der Leber gemessen).
Therapie der Wahl bei den primären Lebermalignomen ist die Resektion mit genügendem
Sicherheitsabstand, aber unter Erhalt von möglichst viel funktionierendem
Restlebergewebe.
Neben den parenchymsparenden Resektionen hat die Alkoholinstillation (PAI),
die sonografisch gesteuert durchgeführt wird, einen festen Stellenwert. Ergänzend dazu
kann durch die selektive Chemoembolisation der vitale Tumorrandsaum erreicht
werden.
Auch ist es damit möglich bei einigen wegen zu kleiner Restleber primär inoperablen
Tumoren durch Kombination dieser Verfahren (PAI mit Chemoembolistaion) eine
"Tumorkontrolle" bei gleichzeitiger Wachstumsstimulation der Restleber zu
erreichen um dann im zweiten Schritt eine Resektion mit kurativer Intention
durchzuführen.
Vergleichende Studien haben gezeigt, daß durch die Lebertransplantation bei den primären
Malignomen der Leber nur bei den kleinen (<3cm) Tumoren ein besseres
Langzeitüberleben im Vergleich zur Resektion erreicht wird.
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Den größten Anteil der Leberoperationen nehmen die Resektionen wegen
Lebermetastasen ein. Bis heute machen die kolorektalen Metastasen noch ¾ aller operierten
Lebermetastasen aus aber der Anteil der Nicht_Kolorektalen Lebermetastasen (also
Metastasen anderen Ursprungs) nimmt stetig zu da in Abhängigkeit von dem Primärtumor
auch hier zum Teil exzellente Langzeiterfolge zu beobachten sind.
Die Leberchirurgie hat sich in den letzten Jahren enorm
weiterentwickelt mit geringer perioperativer Komplikationsrate und relativ kurzer
postoperativer stationärer Verweildauer von 8_10 Tagen auch bei großen Resektionen.
Anforderung an eine Parenchym sparende, kurative Resektion sind:
- Den Tumor mit genügendem Sicherheitsabstand zu entfernen
- Soviel wie möglich gesundes, funktionierendes Lebergewebe zu erhalten
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Bei peripheren Tumoren werden sogenannte atypische das heißt begrenzte
nicht anatomische Resektionen durchgeführt. Bei den anatomisch orientierten
Resektionsverfahren nimmt die Anzahl großer Lappenresektionen wie die rechtsseitige oder
linksseitige Hemihepatektomie zugunsten großer anatomischer Mehrsegmentresektionen ab.
Dabei kann bis zu 75% des funktionellen Lebergewebes reseziert werden, da durch die
Regenerationsfähigkeit der Leber das verlorene Gewebe postoperativ zumindest zum Teil
wieder ersetzt wird und funktionsfähig ist.
Die Resektionen werden unter selektiver vaskulärer Okklusion
(Abklemmen der Lebergefäße) durchgeführt um den Blutverlust während der
Parenchymdurchtrennung so gering wie möglich zu halten.
Die Analyse von über 260 kurativ resezierten kolorektalen
Lebermetastasen entspricht dem internationalen Literaturvergleich und hat ergeben, daß
entgegen früheren Annahmen folgende Faktoren keinen Einfluß auf die
Langzeitprognose haben:
 | die Metastasenverteilung (unilobär/ bilobär oder zentral/ peripher) oder |
 | das Vorliegen mehrerer Metastasen |
 | die Metastasengröße |
 | histopathologische Differenzierung der Metastasen |
 | Resektionsart (atypisch /anatomisch) |
 | ebenso wie die Größe (T_Stadium) des Primärtumors |
 | oder Blutgabe bei der Primärtumoroperation. |
Entscheidend für das Langzeitüberleben ist die kurative
Resektion, das heißt die vollständige Metastasenentfernung mit ausreichendem
Sicherheitsabstand bei saniertem Primärtumor.
Bei der Analyse sämtlicher Resektionen kolorektaler Metastasen (inklusive der
Rezidivresektionen) liegt unsere Operations_ und 30 Tage_Letalität unter 1,6% . Ebenso
haben Rezidivmetastasen die gleiche Überlebenschance wenn sie bei einer erneuten
Leberresektion wiederum komplett radikal reseziert werden können! Diese Ergebnisse
führten zu einer deutlichen Erweiterung des Operationsspektrums von Lebermetastasen.
Wichtig ist deshalb auch eine enge Nachsorge zumindest in den ersten 2
Jahren nach Resektion. Unklar ist bis heute der Einfluß einer adjuvanten Chemotherapie
nach Lebermetastasenresektionen. Deshalb wird eine zusätzliche Chemo_ oder Immuntherapie
nur nach ausführlicher Beratung mit dem Patienten im Rahmen von Studien durchgeführt.
Die Lebermetastasenoperation wird in der Regel auch bei sehr
ausgedehnten Eingriffen sehr gut vertragen. Die Patienten werden am nächsten Tag
mobilisiert und können am 2. postoperativen Tag wieder normale Kost zu sich nehmen.
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Prof. Peter Kienle
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