Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Medizinische Fakultät Mannheim
Chirurgische Klinik
Universitätsklinikum Mannheim
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            Transplantationszentrum Mannheim

 

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Postmortale Nierentransplantation (Leichennierentransplantation)

            Patientenauswahl und Warteliste
            Organvergabe
               Nierentransplantation
           
  Immunsuppressive Behandlung
 

Patientenauswahl und Warteliste

Die Nierentransplantation stellt heutzutage die beste Form der Nierenersatztherapie dar. Sie sollte daher für jeden dialysepflichtigen Patienten in Betracht gezogen werden. Sie bietet ein „Mehr an Lebensqualität“ und einen Überlebensvorteil im Vergleich zu allen anderen Nierenersatztherapieverfahren wie der Hämo- und Peritonealdialyse. Aus medizinischen Gründen ist nicht jeder Dialysepatient für eine Nierentransplantation geeignet. Im Vorfeld erfolgt daher ein medizinisches Untersuchungsprogramm, um bereits bestehende Erkrankungen zu erkennen und ggf. zu behandeln.

 

Kriterien zur Aufnahme auf die Warteliste

[ endgültiges Nierenversagen (Dialysepflichtigkeit)

[ Transplantatversagen nach erfolgter Transplantation

 Recht auf Transplantation

[ TPG §13 Abs. 3

 „Der behandelnde Arzt hat Patienten, bei denen die Übertragung vermittlungspflichtiger Organe medizinisch angezeigt ist, mit deren schriftlichen Einwilligung UNVERZÜGLICH an das Transplantationszentrum zu melden.“


Ablehnungsgründe zur Aufnahme auf die Warteliste
 

[ nicht heilbare bösartige Erkrankungen

[ klinisch manifeste Infektionserkrankungen

[ schwerwiegende Zusatzerkrankungen (Herz-Gefäße- Bronchial- Lungen – und Lebererkrankungen)

[ Übergewicht (BMI > 30)

Allgemeine Befunderhebungen

[ Blutwerte

Blutgruppe, Gewebetypisierung, Virusserologie, Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte etc.

[ Herzbefunde

EKG, Belastungs-EKG, Herzecho, Herzkatheter (bei Diabetikern)

[ Gefäßstatus

Ultraschalluntersuchung der Becken-Beingefäße

[ Magenuntersuchung

Magenspiegelung

[ Röntgenbefunde

Thorax, Beckenübersicht, Nasennebenhöhlen, Zahnpanorama

Spezielle Befunderhebungen

[ Oberbauchsonographie

[ Urologische Untersuchung

[ Zahnstatus

[ Hals-Nasen-Ohrenstatus

[ Augenstatus

[ Hautstatus

[ Gynäkologische Untersuchung bei Frauen

Auch ältere Patienten profitieren von einer zeitnahen Transplantation. Deshalb wurde im EUROTRANSPLANT-Bereich ein spezielles Programm für ältere Nierenempfänger („Old-for-Old) entwickelt.

Spezielles Zuteilungsprogramm für ältere Patienten
(old-for-old / ESP = European Senior Programm)
 

[ Alter > 65 Jahre (Spender + Empfänger)

[ relevante Punkte bei der Zuteilung:

          Blutgruppenübereinstimmung             

          Wartezeit

          kurze Konservierungszeit (regionale Vergabe)

          Gewebeübereinstimmung mit untergeordneter Rolle

          Kreuzprobe zwischen Spender u. Empfänger negativ

Ist ein Patient für die Nierenübertragung geeignet, wird er bei EUROTRANSPLANT (zentrale Vergabestelle) gemeldet. Wird eine Niere im EUROTRANSPLANT-Bereich (Holland, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Österreich und Slowenien) gespendet, erfolgt die Vermittlung an den individuellen Empfänger aufgrund von Wartezeit und Blutgruppen- / bzw. Gewebeverträglichkeit (sog. ABO-Kompatibilität und sog. HLA-Typisierung).

Die mittlere Wartezeit beträgt derzeit 5 bis 6 Jahre. Diese kann bei optimaler Gewebeverträglichkeit auch kürzer sein. Die Wartezeit beginnt mit der ersten Dialyse. Wichtig ist eine frühzeitige Anbindung an ein Transplantationszentrum durch den mit dem Zentrum kooperierenden Dialysearzt.

Aufnahme auf die Warteliste

[  Schriftliche Patientenbenachrichtigung und des Dialysezentrums

[  Wartezeitbeginn: Zeitpunkt der ersten Dialyse

[  Durchschnittliche Wartezeit 5 - 6 Jahre

[  Abfragen des Meldestatus durch den Patienten möglich (T,NT)

[  ständige Erreichbarkeit des Empfängers mit Rückmeldung bei Telefon- und Adressenänderungen, Fristenregelung bei Organangebot

 

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Organvergabe

Bei der Nierentransplantation ist eine Organübertragung bis zu 48 Stunden nach der Entnahme möglich. Nach der Gewebetypisierung des Organspenders erfolgt über ein EDV-gestütztes Programm ein Abgleich, ob im EUROTRANSPLANT-Bereich ein Empfänger mit optimaler Übereinstimmung vorhanden ist. Neben dem Ausmaß der Gewebeübereinstimmung spielen die Wartezeit, die Blutgruppe und weitere Faktoren eine Rolle bei Auswahl des Empfängers. Bei optimaler Gewebeverträglichkeit spricht man auch von einem sog. „Fullhouse (=Vollhaus)“-Empfänger. Ist dies nicht der Fall, wird ein Empfänger mit der besten Übereinstimmung der Gewebemerkmale ausgewählt. EUROTRANSPLANT informiert das Transplantationszentrum über den ausgewählten Empfänger, sodass zeitnah die Benachrichtigung des Patienten erfolgen kann.

 Kriterien bei der Organzuteilung (Punktesystem)

Blutgruppenübereinstimmung

 

 

Gewebeübereinstimmung

40%

400

Optimale Gewebeübereinstimmung

10%

100

Wartezeit

30%

50/Jahr

Organspendebilanz (Organaustausch zwischen BRD-ET)

 

200

Kinder / Jugendliche mit Bonus

 

200

 

Für eine problemlose Organisation, ist die Erreichbarkeit des Empfängers entscheidend. Dazu ist es wichtig, dass Patienten auf der Warteliste alle verfügbaren Telefonnummern, auch Mobiltelefon oder Urlaubsverbindungen dem Mannheimer Transplantationszentrum mitteilen. Nur so ist eine rasche Information im Fall eines Nierenangebotes gewährleistet. Im Falle einer Auslandsreise ist eventuell eine Reiserücktrittsversicherung oder eine Reiserückholversicherung sinnvoll. Generell sollte jedoch der Rücktransport in möglichst kurzer Zeit durchführbar sein, um eine Nierentransplantation organisatorisch nicht zu gefährden.

Nierentransplantation

Vorbereitung:

Grundsätzlich wird vor jeder Transplantation nochmals eine endgültige Verträglichkeitsprobe (sog. Cross-Match) im kooperierenden immunologischen Labor (Prof. Dr. G. Opelz) durchgeführt. Für die Durchführung der Verträglichkeitsuntersuchung benötigt man 3 bis 4 Stunden. In dieser Zeit wird der Patient dialysiert und dem Transplantationschirurgen, dem Nephrologen und dem Narkosearzt vorgestellt.

 

Narkose:

Bei der Vorstellung beim Narkosearzt werden die speziellen Besonderheiten und Vorerkrankungen des Patienten besprochen und das Narkoseverfahren erklärt. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt werden. Nach Venenpunktion werden verschiedene Geräte angeschlossen (u.a. EKG, Blutdruckmessung, Messung des Sauerstoffes im Blut), welche der Überwachung und damit der Sicherheit des Patienten dienen. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung bereits während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.

 Operation:

Die Operation dauert etwa 2 bis 3 Stunden dauert. Die Spenderniere wird in der Regel im rechten Unterbauch eingesetzt (implantiert). In bestimmten Fällen, z.B. nach Voroperationen, wird die Niere auch auf der linken Seite implantiert. Als erstes wird die Nierenvene an die Beckenvene des Empfängers angeschlossen. Als nächstes wird die Nierenarterie an die Beckenarterie des Empfängers angeschlossen. Unmittelbar danach wird die Durchblutung der Niere wieder freigegeben. Mit dem Einpflanzen des Ureters in die Harnblase und das Einbringen einer Ureterschiene ist die Implantation beendet.

 

Nachbetreuung:

Nach dem Eingriff wird der transplantierte Patient 24 bis 48 Stunden auf einer Überwachungsstation behandelt und danach auf einer chirurgischen Normalstation weiterbetreut. Neben der chirurgischen Wundkontrolle erfolgt eine genaue Flüssigkeits- und Elektrolytbilanzierung. Etwa 40% der Patienten müssen auch in den ersten Tagen nach der Transplantation noch dialysiert bis sich die Transplantatfunktion normalisiert hat. In der Regel können die Drainagen und der Blasenkatheter nach etwa 5 Tagen entfernt werden. Wichtig ist in dieser Phase die Kontrolle und exakte Einstellung der immunsuppressiven Therapie, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Die Verweildauer im Mannheimer Transplantationszentrum beträgt ca. 2-3 Wochen.

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Immunsuppressive Behandlung

Durch die immunsuppressive Behandlung wird die Abstoßungsreaktion verhindert. Als Standardmedikament wird Cyclosporin verwendet. Kortikosteroide (sog. Kortison) sind ebenfalls Bestandteil des immunsuppressiven Protokolls nach Nierentransplantation. Durch Kurztherapie mit hoch dosierten Kortikosteroiden können akute Abstoßungskrisen in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden. Wegen unerwünschter Nebenwirkungen bei Langzeittherapie mit Kortikosteroiden wird versucht, ihre Dosis möglichst niedrig zu halten. In besonderen Fällen mit einem erhöhten immunologischen Risiko wird auch FK 506 / Tacrolimus eingesetzt. Im Vergleich zu Cyclosporin besitzt Tacrolimus eine um den Faktor 10 bis 100 stärkere immunsuppressive Wirkung. Mit diesem Medikament gelingt es in einem hohen Prozentsatz, eine kortisonresistente akute Abstoßung zu durchbrechen und die Transplantate zu retten. Mycophenolat Mofetil (MMF) wird zusätzlich bei der Nierentransplantation eingesetzt. Aufgrund seines spezifischen Wirkungsprofils bei nur geringer Zellschädigung kann das Medikament zur Prävention der chronischen Abstoßung beitragen und die Funktionsrate der Transplantate im Langzeitverlauf günstig beeinflussen. Durch den unterschiedlichen medikamentösen Angriffspunkt der genannten Medikamente ist eine maßgeschneiderte Therapie erreichbar, die zu einer Verbesserung der Langzeitergebnisse geführt hat.

 

 

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Verantwortlich:  M. Schlüter letzte Änderung: 28 Juli 2009 Webmaster