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Ruprecht-Karls-Universität
Heidelberg
Fakultät für Klinische Medizin Mannheim Zentrallabor des Universitätsklinikum Mannheim Allergie - Drug Monitoring - Endokrinologie - Gerinnung - Hämatologie - Immunologie - Klinische Chemie - Liquordiagnostik - Spezialanalysen/Funktionsdiagnostik - Toxikologie - Zelluläre Diagnostik - sowie Ausbildung und Fachinformation |
| Liquordiagnostik | |
Der Liquor cerebrospinalis (CSF, cerebrospinal fluid) stellt ein wichtiges und wertvolles Untersuchungsgut in der Diagnostik akuter und chronisch entzündlicher Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) dar. Er wird schmerzfrei durch sterile Lumbalpunktion (oder in Ausnahmefällen durch Ventrikelpunktion) in einem Volumen von 2-10 ml gewonnen (klare Gefäße !!). Parallel wird immer gleichzeitig (!) aus peripherem Blut ein Serumröhrchen abgenommen zur Bestimmung der Liquor/Serum-Quotienten zur Beurteilung der Blut-Liquor-Schranke und der intrathekalen Antikörperproduktion.Als Bettsidetest wird die Drei-Gläser-Probe, der Pandy-Test und evtl. ein Teststreifen (kein Labor in der Nähe) eingesetzt. Die Dreigläserprobe dient der Unterscheidung intracraniellen von einer artifiziellen Blutung im Rahmen der Punktion. Bei letzterer nimmt die Trübung zum letzten Glas hin ab. Der Pandy-Test dient der groben Abschätzung einer Eiweißerhöhung und der Teststreifen zur groben Abschätzung von Protein- und Zellgehalt. Zur wichtigen, visuellen Beurteilung (klar, trüb, blutig, xantochrom) sind klare Abnahmegefäße notwendig. Ein steriles Aliquot wird bei entsprechendem Verdacht zur mikrobiologischen Analyse verwendet. Beschriftung und Anforderungsschein mit Verdachtsdiagnose/Fragestellung nicht vergessen.
Im Labor wird zügig eine mikroskopische Zellzählung in der Fuchs-Rosenthal-Kammer durchgeführt (Zellzerfall im "zellfeindlichen" Liquor). Moderne Hämatologieautomaten bestimmter Firmen sind mehr oder weniger geeignet, erhöhte Zellzahlen zu messen (je nach Gerät >10, 50, 100 bzw. 500/µl) und müssen dafür validiert werden (cave Leerwert!). Die Kammerzählung ist obligat, jedoch sind bei blutigem Liquor die Hämtologiegeräte oft hilfreich (ungenügende Lyse der Erythrozyten bei der Kammerzählung). Die Zellzahl hat bei V.a. Meningitis eine große Bedeutung und eine Granulozytose induziert eine sofortige Einleitung der Antibiose.
Ein Aliquot bzw. die gesamte Liquorprobe wird zentrifugiert. Das Sediment wird sofort für die Liquorzytologie weiterverarbeitet (Zytospinzentrifugation und ggf. spätere Pappenheim-Färnbung (May-Grünwald-Giemsa)), der Überstand wird für die klinisch-chemische Analytik verwendet (quantitative Bestimmung von Laktat, Glucose, Eiweiß). Die erweiterte Diagnostik umfaßt die parallele nephelometrische Serum/Liquorbestimmung von Albumin, IgG, IgA und IgM. Dies ist bei infektiösen Prozessen auch für erregerspezifische Antikörper sinnvoll (serologische Untersuchung aus Serum und Liquor). Die grafische Auswertung geschieht am besten im Quotientendiagramm nach Prof. Reiber (sog. "Reiberschema"), welches sowohl die Beurteilung der Schrankenstörung als auch der intrathekalen Antikörperproduktion erlaubt. Trotz der neuen bildgebenden Verfahren hat die isoelektirsche Fokussierung zur Darstellung der oligoklonalen Banden von Immunglobulinen (nach Silberfärbung oder Immunoblot) als empfindliche Methode eine große Bedeutung in der Diagnostik intrazerebraler Entzündungen insbesondere der Multiplen Sklerose (Encephalomyelitis disseminata).
Die Liquorzytologie dient der Erkennung folgender Zustände:
Diagnose Zytologischer Befund Frische Blutung Erythrozyten, nach 1-2 Tagen Phagozytose durch Makrophagen Ältere Blutung nach 2-3 Tagen Makrophagen mit Abbauformen der Erythrozyten, gelben Hämatoidinkristallen, Hämosiderin, visuell: xanthrochromer Liquor Zurückliegende Blutung nach 1-2 Wochen Makrophagen mit (immer weniger) Hämosiderin, keine Erythrozyten mehr Bakterielle Meningitis Zellzahl meist >100/µl, Granulozytose (nur segmentkernige Neutrophile), Bakterien, Gramfärbung: Pneumokokken oder Meningokokken? evtl. Slidex-Text (Agglutinationstest), Spezialfärbungen (TBC) Virale Meningitis aktivierte Lymphozyten und Monozyten, Pleozytose i.d.R.10-100/µl Chronische Entzündung aktivierte Lymphozyten, Plasmazellen immer pathologisch, Zellzahl ca. 3-10/µl oft im Normbereich Primärer Hirntumor meist wenige Zellen, oft keine Tumorzellen zu finden Meningiosis carcinomatosa oft abnorme Größe, atypische Morphologie, Kern/Plasmaverhältnis, manchmal Zellverbände, akute Leukämien, cave Lymphom Begleiterscheinungen Knochenmarkszellen (Myelozyten, Normoblasten) durch Punktion des Knochens (v.a. bei Kindern)
Zellen des Hirnparenchyms, Kernschatten durch zu lange Lagerung/unsachgemäße PräparationDie zytologische Untersuchung wird routinemäßig ab einer Zellzahl von > 4 Zellen/µl durchgeführt. Bei bestimmten Fragestellungen (Tumorzellen, Plasmazellen u.a.) kann es sinnvoll sein, auch unterhalb dieser Grenze eine Liquorzytologie anzufertigen und dafür die gesamte Liquorprobe zu zentrifugieren. Dies ist gesondert zu vermerken und sinnvollerweise telefonisch abzusprechen.
ZUSAMMENFASSUNG:
1. Blutentnahme
2. Liquorpunktion
Sterile Handschuhe, Liquorpunktionsnadel, mind. 3 glasklare sterile Röhrchen mit Ständer, evtl. Pandy-Reagens und Teststreifen, ggf. Hilfsperson
3. Proben beschriften und sofort ins Labor
Text: Dr. T. Nebe
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| Verantwortlich: Dr.
Thomas Nebe
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letzte Änderungen: 02.12.2002 | Webmaster |