Hirnaneurysmen

Unter einem Hirnaneurysma versteht man sackartige Erweiterungen der hirnversorgenden Blutgefäße (Abbildung). Im Gegensatz zu einer regulären, widerstandsfähigen Gefäßwand, ist die Wand eines Hirnaneurysmas sehr viel dünnner und schwächer, und birgt damit stets die Gefahr zu platzen und eine Subarachnoidalblutung zu verursachen. Auch neigen Hirnaneurysmen dazu, über einen Zeitraum von mehreren Jahren langsam an Größe zuzunehmen, so dass sie auch zu einem Druck auf das umgebende Hirngewebe führen können. Dieser Druck kann zu neurologischen Ausfällen, wie Taubheit oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, oder zu Sehstörungen führen. Mit den Fortschritten der bildgebenden Methoden (MRI) werden heute zunehmend auch Hirnaneurysmen als Zufallsbefund diagnostiziert, zum Beispiel im Rahmen einer Kopfschmerzabklärung.

Etwa 5% der Bevölkerung weist ein Hirnaneurysma auf, aber lediglich 8-10 von 100.000 Einwohner werden eine Subarachnoidalblutung erleiden. Leider werden diese Patienten in der Regel erst identifiziert, wenn ihr Aneurysma bereits geplatzt ist und eine mitunter lebensbedrohliche Blutung verursacht hat. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die wenigen Patienten, die ein Aneurysma tragen, welches ein Risiko mit sich bringt, zu platzen, frühzeitig zu identifizieren und mit niedrigem Risiko zu behandeln. Risikofaktoren für ein Platzen des Aneurysmas sind Größe, Form und Lokalisation des Aneurysmas. Auch junges Alter, Rauchen, Alkoholabusus und Bluthochdruck sind mit einem erhöhten Risiko verbunden. Unser Team ist darauf spezialisiert, Patienten mit Hirnaneurysmen zu beraten, ob und wie eine Ausschaltung des Hirnaneurysma zu erfolgen hat. Unser Team behandelt derzeit jährlich etwa 100 Patienten mit geplatzten und etwa 30 mit nicht-geplatzten Hirnaneurysmen.

Für die Ausschaltung von Hirnaneurysmen stehen heute 2 klassische Methoden zur Verfügung:

  • die chirurgische Ausschaltung, bei der über eine kleine Schädelöffnung das Hirnaneuyrsma mittels eines Titanclips abgeklemmt wird (´Clipping´) (Abbildung)
  • die endovaskuläre Ausschaltung, bei der im Rahmen einer Angiographie das Hirnaneurysma mit Platinspiralen ausgefüllt wird (´coiling´) (Abbildung)

Welches der beiden Verfahren schließlich zum Einsatz kommt wird in unserem Team multidisziplinär entschieden, da beide Verfahren zahlreiche Vorteile und Nachteile aufweisen, die im Einzelfall gegeneinander abgewogen werden müssen. Ein kleiner Anteil an Hirnaneurysmen ist jedoch weder durch Clipping noch durch Coiling zu behandeln. In diesem Fall muß zur Ausschaltung des Hirnaneurysmas das gesamte Gefäßsegment unterbunden werden. Um hierbei einen Schlaganfall zu vermeiden, muß zuvor unter Umständen eine Bypassoperation duchgeführt werden. Ein Schwerpunkt unseres Teams ist es, diese Patienten zu identifizieren und derartige Bypassoperationen durchzuführen, um auch komplexe Hirnaneurysmen wirkungsvoll auszuschalten.

Termin in unserer Neurovaskulären Sprechstunde vereinbaren