Universität Heidelberg

Behandlung von Aneurysmen

 

Aneurysmen sind Aussackungen der Blutgefäße. Ihre Wand ist nicht so stabil wie die normale Gefäßwand, mit zunehmender Größe besteht die Gefahr eines Einrisses und einer Blutung. Liegt das Aneurysma im Schädelinneren, kann eine solche Blutung lebensgefährlich sein. Die meisten Aneurysmen werden erst entdeckt, wenn sie bereits geblutet haben. Dann sollte rasch gehandelt werden, um eine weiteres Blutungsereignis zu verhindern.

Zunächst ist eine angiographische Darstellung der Gefäßverhältnisse im Schädelinneren notwendig. Grundsätzlich gibt es für Aneurysmen eine chirurgische und eine angiographisch-interventionelle Behandlungsmöglichkeit. Für bestimmte Typen und Standorte der Aneurysmen haben sich Vorteile für die interventionelle oder die offene chirurgische Methode gezeigt. Neurochirurgen und Neuroradiologen entscheiden anhand der angiographischen Bilder gemeinsam, welches Verfahren im Einzelfall am zuverlässigsten und sichersten ist.

An die diagnostische Angiographie kann gegebenenfalls die interventionelle Therapie gleich angeschlossen werden. Dabei wird ein "Coiling“ vorgenommen: über einen dünnen Katheter, der bis in das Aneurysma vorgeschoben wird, werden kleine Platindrahtspiralen (engl. “coils“) in den Bauch der Aussackung geschoben, bis kein Blut mehr einfließen kann. Das stehende Blut im Aneurysma gerinnt, die Gefahr einer Blutung ist gebannt.

Durch die immer häufigere Anwendung hochauflösender bildgebender Verfahren - vor allem der Kernspintomographie - werden zunehmend Aneurysmen entdeckt, die sich bislang noch gar nicht bemerkbar gemacht hatten. Aktuelle Schätzungen gehen von Aneurysmen der Hirngefäße bei bis zu 5% der Bevölkerung aus. Dabei handelt es sich in den wenigsten Fällen um gefährliche Befunde und meistens genügt eine Beobachtung durch gelegentliche kernspintomographische Kontrollen. Ab einer gewissen Größe und bei manchen verdächtigen Formen ist jedoch Vorsicht geboten - hin und wieder ist Trägern von zufällig entdeckten Aneurysmen zu raten, es vorsorglich behandeln zu lassen.

Behandlung von Stenosen (Verengungen) der Halsschlagadern

Fortgeschrittene Stenosen der Halsschlagadern können Schlaganfälle verursachen. Bis in die 90er Jahre gab es nur die Möglichkeit einer operativen Therapie. Heute ist es möglich, solche Engstellen über eine kleine Punktion der Leistenarterie mittels Kathetertechnik zu behandeln. Wie bei der Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen wird ein sog. Stent in die Engstelle eingelegt und durch einen kleinen, aufblasbaren Ballon aufgedehnt. Der Stent, den man sich als Drahtgitter-Röhrchen (ähnlich einem eingerollten Maschendraht) mit einer edlen Platinbeschichtung vorstellen kann, hält dann durch seine Federkräfte das Gefäß offen.

Aktuell wird viel darüber diskutiert, was "besser" sei - Operation oder Stenteinlage. Diese Frage läßt sich wahrscheinlich gar nicht endgültig beantworten, denn jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Zu welcher Therapie ärztlicherseits geraten wird, hängt von vielen Faktoren ab und sollte stets individuell entschieden werden.

Wird ein Stent eingesetzt, ist ein eintägiger Klinikaufenthalt ratsam. Morgens wird im Angiographiesaal die Leistenarterie punktiert, der eng eingerollte Stent in einem speziellen Katheter durch die Stenose geschoben, durch Zurückziehen des Katheters entfaltet, dann mit einem Ballon aufgedehnt. Anschließend erfolgt sicherheitshalber eine stationäre Beobachtung, am Abend wird das Zugangsventil zur Leistenarterie entfernt. Am nächsten Morgen kann der Patient bereits entlassen werden.

Die Stenttherapie kann außer bei verengten Halsschlagadern auch bei Stenosen der intrakraniellen Gefäße eingesetzt werden, gelegentlich auch bei Verletzungen der Innenwand von Arterien. Diese Anwendungen sind jedoch noch jung und besonderen Umständen vorbehalten.

 

 

 

 

 

 

 

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