Medizinische Fakultät Mannheim
Universität Heidelberg
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Zentrum für Gerontopharmakologie

Das Streben der Klinischen Pharmakologie Mannheim nach weitreichenden Kooperationen mit Vertretern der Klinik führte zu dem Ziel, ein Zentrum für Gerontopharmakologie im Klinikum Mannheim zu gründen, bestehend aus der Klinischen Pharmakologie (Leitung: Prof. Dr. M. Wehling) und der IV. Medizinischen Klinik, Schwerpunkt Geriatrie (Leitung: PD Dr. med. Heinrich Burkhardt).

Die Initiative zur Gründung des Zentrums für Gerontopharmakologie entstand v. a. unter dem Aspekt, die Pharmakotherapie und Versorgungssituation älterer Menschen zu optimieren, wobei besonders wissenschaftliche einschließlich ernährungswissenschaftlicher und ökonomischer Fragestellungen beantwortet werden sollen.

Die Ziele des Zentrums sollen der demographischen Entwicklung in Deutschland mit dem steigenden relativen Anteil älterer Menschen Rechnung tragen: Bei älteren Menschen nimmt die Inzidenz von Erkrankungen zu. Hierbei nimmt nicht nur die Anzahl erkrankter Menschen, sondern insbesondere auch die Anzahl verschiedener Erkrankungen pro Patient (Multimorbidität) zu.

Aus der Multimorbidität leiten sich neue Herausforderungen an die ärztliche und pflegerische Versorgung der betroffenen Patienten ab:
Ältere Menschen nehmen zur Therapie ihrer verschiedenen Erkrankungen zahlreiche, unterschiedliche Medikamente ein (Polypragmasie). Die Interaktionen dieser zahlreichen Medikamente untereinander sind nur unzureichend systematisch untersucht. Außerdem sind beim älteren Menschen verschiedene Organsysteme, die bei der Ausscheidung der Substanzen eine Rolle spielen, in ihrer Funktion eingeschränkt. Daraus ergibt sich, dass häufig beim älteren Menschen unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten, die zur Hospitalisierung und sogar zum Tode führen können.

Die Zulassungen von Arzneimitteln beziehen sich weitgehend auf Untersuchungen, die an einem weitaus jüngeren Patientenkollektiv durchgeführt wurden. Besonderheiten der Wirkung und Metabolisierung von Arzneistoffen beim älteren Menschen werden aus diesem Grund nur unzureichend berücksichtigt. Dies führt zum einen dazu, dass die Kriterien einer "Evidenced Based Medicine" im strengen Sinne nicht erfüllt werden und zum anderen führt dies dazu, dass die Wirkungen der Medikamente aufgrund einer eingeschränkten körperlichen Kompensationsmöglichkeit des älteren Patienten unerwartet intensiv ausfallen können.

Ältere Menschen sind meist durch die teilweise sehr komplexen Anweisungen zur Einnahme und Anwendung ihrer Therapien überfordert. Dies führt zur unkontrollierten Unter- bzw. Überdosierung von Arzneistoffen. Daraus leiten sich neue gesundheitliche Komplikationen ab. Hieraus wurden von den Teilnehmern des Zentrums nach intensiven Diskussionen folgende übergeordnete Ziele zusammengefasst definiert:

  • Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen zur Optimierung der Arzneimitteltherapie und Pflege
  • Erarbeitung von Therapieschemata für ältere Menschen mit überregionaler Bedeutung nach den Prinzipien der Evidenced Based Medicine
  • Fortbildungsauftrag zur Therapie älterer Menschen (Presseveröffentlichungen, Fortbildungsveranstaltungen, Qualitätszirkel)
  • Zulassungserweiterung von häufig bei alten Menschen eingesetzten Medikamenten

Die Patientenversorgung soll durch eine Reihe von Maßnahmen optimiert werden. Dazu zählen internistisch-pharmakologische Visiten mit verantwortlicher Therapieberatung, ein Kompetenzaustausch durch gemeinsame interne Fortbildungen sowie Fortbildungsveranstaltungen, die auch der Außenwirkung dienen sollen. Aus Gründen der Pharmakovigilanz sollen Arzneimittelnebenwirkungen systematisch erfasst werden.

Die Zusammenarbeit der Abteilung für Geriatrie und dem Institut für Klinische Pharmakologie soll durch einen Mitarbeiteraustausch optimiert werden. In einer Erweiterungsstufe der Einrichtung sollen zusätzlich ambulanten Dienste zur Mitversorgung der Altenheime eingerichtet werden. Als wissenschaftliche Projektvorschläge sind neben Therapiestudien, Ernährungsstudien sowie Untersuchungen zu pharmakoökonomischen Aspekten der Arzneimitteltherapien auch Ernährungsstudien zu nennen.

Als erste Projekte wurden Studienvorschläge zu klinisch-kontrollierten Studien ausgearbeitet, die unter finanzieller Unterstützung der pharmazeutischen Industrie durchgeführt werden sollen. Die Verhandlungen mit dem Klinikum Mannheim und den beiden Kooperationspartnern konnten in der Zwischenzeit soweit vorangetrieben werden, dass eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Klinikum Mannheim, der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg sowie der Abteilung für Geriatrie des Klinikums Mannheim und dem Institut für Klinische Pharmakologie getroffen wurde.

Die Vereinbarung trat am 01.11.2000 in Kraft.

Seither konnten bereits zwei Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie bei älteren Menschen erarbeitet und veröffentlicht werden: zur Antikoagulation und zur Statintherapie im Alter.

Diese bisherigen Ziele und Aktivitäten werden jetzt durch einen weiteren Punkt ergänzt:

  • gerontopharmakologische Ambulanz

In dieser Hochschulambulanz soll niedergelassenen Kollegen durch Überweisung die Möglichkeit der Vorstellung von älteren Patienten mit komplexen Arzneimitteltherapien gegeben werden (mehr als 5 Arzneimittel als Anhaltspunkt). Prof. Wehling und Mitarbeiter werden die verordneten Medikamente evidenzbasiert kritisch prüfen, nur die wirklich notwendigen Medikamente weiterempfehlen und ggf. Alternativvorschläge machen. Hierbei kann erfahrungsgemäß eine deutliche Einsparung an kostenträchtigen und häufig auch nebenwirkungsreichen Medikamenten erzielt werden. Die Kunst der Arzneimitteltherapie des älteren Patienten ist die gezielte Beschränkung leitlinienbasierter, in das Alter ja aufgrund des Datenmangels nur extrapolierter Therapien. Also wird in erster Linie die Frage beantwortet: was kann ich weglassen?
Hierbei ist eine möglichst vollständige Mitlieferung von aktuellen Vorbefunden erwünscht, um die Diagnostik in der Ambulanz auf das Nötigste beschränken zu können. Eine Weiterbetreuung der Patienten ist hier nicht möglich, wohl aber bei Bedarf die Wiedervorstellung auf Überweisung.

Die Ambulanz ist in Haus 8, Ebene 3, Zimmer 77, Universitätsklinikum Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer 1-3 untergebracht.

Nur nach Anmeldung unter Telefon 0621/383 5981, alle Kassen. So finden Sie uns.

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