Sie befinden sich hier

Inhalt

PD Dr. Frank A. Giordano

Wir arbeiten an der systematischen Übertragung von Entwicklungen aus den Bereichen Medizintechnik, Strahlenphysik und Radiobiologie in die klinische Patientenversorgung. So werden beispielsweise neuartige Therapieformen meist zunächst umfassend im Labor oder in Computersimulationen erforscht. Zeigt sich dabei die gewünschte Wirkung und bleiben unerwünschte Nebenwirkungen aus, kann daraus ein experimentelles Therapiekonzept für Patienten entwickelt werden. Dies geschieht dann klassischerweise in Form von klinischen Studien, an denen Patienten teilnehmen können. 

Unser übergeordnetes Ziel ist die Erforschung von neuen Therapieprinzipen zur fokussierten Bestrahlung mit (sehr) hohen Einzeldosen. Viele Tumore reagieren auf die klassische fraktionierte (also auf mehrere Sitzungen aufgeteilte) Bestrahlung nicht ausreichend, sodass sie lokal wiederkehren. Durch den Einsatz einer neuartigen miniaturisierten Röntgenquelle, die "weiche" Röntgenstrahlung  erzeugen kann, konnten wir zeigen, dass eine höhere biologische Wirksamkeit erreicht werden kann. Dies ist bei einigen Tumoren so wirksam, dass auf eine externe Bestrahlung verzichtet werden kann (z.B. Brustkrebs, Wirbelsäulenmetastasen oder Gehirnmetastasen).

Therapieprinzip der intraoperativen Radiotherapie bei Glioblastomen

Unser Interesse liegt hierbei auf den folgenden Schwerpunkten:

  • Intraoperative Bestrahlung: wir sind weltweit eine der führenden Kliniken für die gezielte intraoperative Strahlentherapie mit „weicher“ Röntgenstrahlung. Dabei wird das Tumorbett unter Verwendung von (sehr) hohen Einzeldosen von (mikroskopisch) verbliebenen Zellen befreit. Die Strahlung wirkt dabei lokal und muss nicht durch gesundes Gewebe ins Tumorbett eingestrahlt werden. Hier erforschen wir die  Strahlenphysik und –biologie der IORT, die sich deutlich von derer klassischer Bestrahlungsgeräte unterscheidet.
  • Erforschung der Strahlenresistenz von Gehirntumoren: insbesondere bösartige (hochgradige) Tumore wie Glioblastome reagieren kaum auf die tägliche Bestrahlung mit (niedrigen) Einzeldosen. Wir interessieren uns hierbei vor allem für das Mikromilieu der Tumore (das ein erneutes Wachstum fördern kann) und die effizienten Reparaturmechanismen, die verhindern, dass Tumorzellen durch Strahlenschäden zerstört werden.
  • Zweitmalignome: nach einer Strahlentherapie können (u.a. durch die Bestrahlung selbst) Zweitkrebse entstehen. Zwar erreichen wir durch innovative Technologie (Fokussierung, Volumenreduktion) eine deutliche Reduktion dieses Risikos, versuchen aber die biologischen Zusammenhänge (genomische Instabilität, Verlust von Genen) noch besser zu verstehen.  
  • Digitale Nachsorge:  Ein Schwachpunkt der modernen Medizin ist die nicht-individualisierte Nachsorge. Unser Ziel ist, das eine hochtechnologisierte Tumortherapie nicht in einer von der Sozialstruktur abhängigen, sondern in einer hochtechnologischen Nachsorge mit enger Anbindung an unser Therapiezentrum mündet. Dabei erforschen wir moderne und sichere telemedizinische Technik („smart devices“, Sensorsysteme, Videokonferenz mit dem Arzt) in klinischen Studien.

Auswahl aktueller Publikationen

  1. Giordano FA, Link B, Glas M, Herrlinger U, Wenz F, Umansky V, Brown JM, Herskind C. Targeting the Post-Irradiation Tumor Microenvironment in Glioblastoma via Inhibition of CXCL12. Cancers. 2019 Feb 26;11(3).
  2. Förster A, Böhme J, Maros ME, Brehmer S, Seiz-Rosenhagen M, Hänggi D, Wenz F, Groden C, Pope WB, Giordano FA. Longitudinal MRI findings in patients with newly diagnosed glioblastoma after intraoperative radiotherapy. J Neuroradiol. 2019 Jan 16.
  3. Giordano FA, Welzel G, Siefert V, Jahnke L, Ganslandt T, Wenz F, Grosu AL, Heinemann F, Nicolay NH. Digital Follow-Up and the Perspective of Patient-Centered Care in Oncology: What's the PROblem? Oncology. 2018 Dec 5:1-7.
  4. Veldwijk MR, Seibold P, Botma A, Helmbold I, Sperk E, Giordano FA, Gürth N, Kirchner A, Behrens S, Wenz F, Chang-Claude J, Herskind C. Association of CD4+ Radiation-Induced Lymphocyte Apoptosis with Fibrosis and Telangiectasia after Radiotherapy in 272 Breast Cancer Patients with >10-Year Follow-up. Clin Cancer Res. 2019 Jan 15;25(2):562-572.
  5. Giordano FA, Brehmer S, Mürle B, Welzel G, Sperk E, Keller A, Abo-Madyan Y, Scherzinger E, Clausen S, Schneider F, Herskind C, Glas M, Seiz-Rosenhagen M, Groden C, Hänggi D, Schmiedek P, Emami B, Souhami L, Petrecca K, Wenz F. Intraoperative Radiotherapy in Newly Diagnosed Glioblastoma (INTRAGO): An Open-Label, Dose-Escalation Phase I/II Trial. Neurosurgery. 2019 Jan 1;84(1):41-49.
  6. Bludau F, Welzel G, Reis T, Schneider F, Sperk E, Neumaier C, Ehmann M, Clausen S, Obertacke U, Wenz F, Giordano FA. Phase I/II trial of combined kyphoplasty and intraoperative radiotherapy in spinal metastases. Spine J. 2018 May;18(5):776-781
  7. Herskind C, Wenz F, Giordano FA. Immunotherapy Combined with Large Fractions of Radiotherapy: Stereotactic Radiosurgery for Brain Metastases-Implications for Intraoperative Radiotherapy after Resection. Front Oncol. 2017 Jul 24;7:147.
  8. Kübler J, Kirschner S, Hartmann L, Welzel G, Engelhardt M, Herskind C, Veldwijk MR, Schultz C, Felix M, Glatting G, Maier P, Wenz F, Brockmann MA, Giordano FA. The HIV-derived protein Vpr52-96 has anti-glioma activity in vitro and in vivo. Oncotarget. 2016 Jul 19;7(29):45500-45512.

Kontextspalte