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PD Dr. Sigrid Schuh-Hofer

Schlaf, Schlafstörung und Schmerz stehen in einem vielfältigen (patho)physiologischen Zusammenhang. Schon eine Nacht Schlafentzug führt zu einer gesteigerten Empfindlichkeit für mechanische und thermische Schmerzreize, nach mehrtägiger Schlafrestriktion klagen selbst Gesunde über Spontanschmerzen. Klinische Studien an Patienten unterstützen die Hypothese, nach der Schlafstörungen die Intensität bereits bestehender Schmerzen verstärken können.

Nachdem Schlafstörungen gleichermaßen zu den häufigsten Begleitbeschwerden von Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen zählen, ist das Forschungsthema zum pathophysiologischen Zusammenhang zwischen Schlafentzug und Schmerz von besonderer therapeutischer Relevanz.

Im Zentrum unserer Arbeiten stehen

  1. Untersuchung geschlechtsabhängiger Effekte von Schlafentzug auf Schmerz
  2. Pathophysiologische Ursachen für schlafentzugsbedingte Schmerzüberempfindlichkeit

    • Rolle von Entzündungsmediatoren
    • Einfluss von Schlafentzug auf die deszendiere Schmerzhemmung

  3. Effekt von Schlafentzug auf Habituation: Psychophysik und Elektrophysiologie
  4. Die Rolle von Schlaf für chronobiologische Schmerzsyndrome (z.B. Migräne, Clusterkopfschmerz)

In den letzten Jahren haben wir ein humanexperimentelles Modell zum Effekt von einer Nacht Schlafentzug auf das nozizeptive und non-nozizeptive somatosensorische System etabliert. Dabei konnten wir zeigen, dass bereits junge, gesunde Studenten nach einer durchwachten Nacht eine generalisierte Schmerzüberempfindlichkeit entwickeln, während nicht-nozizeptive Empfindungsschwellen unverändert bleiben.

In einem nachfolgenden translationalen Kooperationsprojekt fanden wir erste pharmakologische Hinweise darauf, dass sowohl inflammatorische Vorgänge als auch eine gestörte Balance des deszendierenden schmerzmodulierenden Systems in die Pathophysiologie schlafentzugsbedingter Schmerzüberempfindlichkeit involviert sind.

In derzeit laufenden Untersuchungen gehen wir der Frage nach, ob die veränderte Wahrnehmung schmerzhafter Reize nach Schlafentzug geschlechtsabhängig und/oder modalitätsabhängig ist. In einem nächsten Schritt soll dann die Rolle von Schlafentzug bei Patienten mit episodischen und chronischen Schmerzsyndromen untersucht werden.

Auswahl aktueller Publikationen

  1. Schuh-Hofer S, Schäfer-Voß S, Treede RD (2016). Schlaf und Schmerz. Akt Neurol. 43: 249-255
  2. Schuh-Hofer S, Baumgärtner U, Treede RD (2015). Effect of sleep deprivation on the electrophysiological signature of habituation to noxious laser stimuli. Eur J Pain. 19: 1197-1209
  3. Wodarski R, Schuh-Hofer S, Yurek DA, Wafford KA, Gilmour G, Treede RD, Kennedy JD (2015). Development and pharmacological characterization of a model of sleep disruption– induced hypersensitivity in the rat. Eur J Pain. 19:554-566
  4. Schuh-Hofer S, Wodarski R, Pfau DB, Caspani O, Magerl W, Kennedy JD, Treede RD (2013). One night of total sleep deprivation promotes a state of generalized hyperalgesia: a surrogate pain model to study the relationship of insomnia and pain. Pain. 154:1613-1621

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