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Prof. Dr. Hans-Peter Hammes

Ein Viertel aller Patienten eines Krankenhauses und bis zu einem Drittel aller Patienten in klinischen Studien sind Menschen mit Diabetes mellitus. Trotz weitgehender Beseitigung der Todesursache Koma Diabeticum ist der Diabetes aufgrund seiner epidemieartigen Ausbreitung und der ungelösten Fragen der Verhinderung von Komplikationen eine immense Herausforderung für das Gesundheitssystem. Zahlreiche pharmakologische Innovationen haben in den letzten Jahren zu einer bedeutenden Erweiterung der Therapiemöglichkeiten geführt, aber das Problem von Sterblichkeit und Organkomplikationen ist noch nicht gelöst. Zudem wurde in den letzten Jahren deutlich, dass einige der wichtigsten Komplikationen unabhängig vom Blutzucker auftreten, bzw. durch intensive Blutzuckerbehandlung nicht vermeidbar sind. Daher ist die Forschung darauf angewiesen, aufzuzeigen, wo die Kausalkette chronische Blutzuckererhöhung – Gefäßschädigung – Organversagen unlogisch ist.

Die Sektion Endokrinologie der 5. Med. Klinik versucht daher, durch klinische und präklinische Untersuchungen Mechanismen der diabetischen Kleingefäßschädigung zu analysieren.

  1. An Patienten wird der Zusammenhang zwischen wesentlichen Risikofaktoren und dem natürlichen Verlauf der diabetischen Retinopathie in großen Kollektiven mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes analysiert.
  2. In diabetischen Tiermodellen werden Mechanismen untersucht, die Schädigungen der neurovaskulären Einheit verursachen. Durch gezielte Ansätze werden patientenrelevante Surrogatendpunkte in den Modellen modifiziert.
  3. In präklinischen Modellen werden die Änderungen der neurovaskulären Einheit in der Netzhaut untersucht, die durch isolierte Schädigung von Photorezeptoren entstehen, analysiert und auf ihre Gemeinsamkeiten mit der diabetischen Retinopathie geprüft.
  4. Aufgrund der Nähe zu Mechanismen der Alzheimer Erkrankung werden Mechanismen in Tiermodellen untersucht, um Gemeinsamkeiten von Augen- und Hirnschädigung bei Menschen mit Diabetes zu verstehen.
  5. Die Arbeitsgruppe interessiert sich für die glukoseunabhängigen Mechanismen der Kleingefäßschädigung, insbesondere die Auswirkungen auf die Immunzellen der Retina. Dazu gehören Aspekte des Zuckergedächtnisses („metabolic memory“).
  6. Im Modell des Fadenwurms werden neuronspezifische Schädigungsmechanismen durch Glukose und reaktive Stoffwechselintermediate analysiert, um eine Verbindung zur neuronalen Schädigung der diabetischen Retina herzustellen.
  7. Bei prädiabetischen Patienten mit Adipositas WHO III° werden die endotheliale Dysfunktion und Marker des metabolischen Syndroms untersucht, woraus Rückschlüsse auf nicht-hyperglykämische metabolische Schädigungen der Gefäße zu ziehen sind. 
Bild einer milden, nicht-proliferativen diabetischen Retinopathie (Fundusphotographie)
Retinadigestion einer nicht-diabetischen Ratte. Die Pfeile markieren Perizyten (Originalvergrößerung 400 x)

Eigene relevante Publikationen

  1. Jörgens K, Stoll SJ, Pohl J, Fleming TH, Sticht C, Nawroth PP, Hammes HP, Kroll J: High tissue glucose alters intersomitic blood vessels in zebrafish via methylglyoxal targeting the VEGF receptor signaling cascade. Diabetes, 64: 213-225, 2015.
  2. McVicar CM, Ward M, Colhoun LM, Guduric-Fuchs J, Bierhaus A, Fleming T, Schlotterer A, Kolibabka M, Hammes HP, Chen M, Stitt AW. Role of the receptor for advanced glycation endproducts (RAGE) in retinal vasodegenerative pathology during diabetes in mice. Diabetologia, 58: 1129-1137, 2015.
  3. Busch S, Kannt A, Kolibabka M, Schlotterer A, Wang Q, Lin J, Feng Y, Hoffmann S, Gretz N, Hammes HP . Systemic treatment with erythropoietin protects the neurovascular unit in a rat model of retinal neurodegeneration. PLoS One, 9: e102013, 2014.
  4. Hu J, Popp R, Frömel T, Ehling M, Awwad K, Adams RH, Hammes HP, Fleming I. Müller glia cells regulate Notch signaling and retinal angiogenesis via the generation of 19,20-dihydroxydocosapentaenoic acid. J Exp Med, 211: 281-295, 2014.
  5. Hammes HP, Kerner W, Hofer S, Kordonouri O, Raile K, Holl RW; DPV-Wiss Study Group. Diabetic retinopathy in type 1 diabetes-a contemporary analysis of 8,784 patients. Diabetologia, 54: 1977-1984, 2011.
  6. Hammes HP, Feng Y, Pfister F, Brownlee M. Diabetic retinopathy: targeting vasoregression. Diabetes, 60: 9-16, 2011.
  7. Queisser MA, Yao D, Geisler S, Hammes HP, Lochnit G, Schleicher ED, Brownlee M, Preissner KT. Hyperglycemia impairs proteasome function by methylglyoxal. Diabetes, 59: 670-678, 2010.
  8. Sjølie AK, Klein R, Porta M, Orchard T, Fuller J, Parving HH, Bilous R, Chaturvedi N; DIRECT Programme Study Group. Effect of candesartan on progression and regression of retinopathy in type 2 diabetes (DIRECT-Protect 2): a randomized placebo-controlled trial. Lancet, 372: 1385-1393, 2008.
  9. Pfister F, Feng Y, vom Hagen F, Hoffmann S, Molema G, Hillebrands JL, Shani M, Deutsch U, Hammes HP. Pericyte migration: a novel mechanism of pericyte loss in experimental diabetic retinopathy. Diabetes, 57: 2495-2502, 2008.

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