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Pressemitteilung

14.07.2017

UMM an erster klinischen Studie zu einer individuellen Immuntherapie mit RNA-basiertem Impfstoff beteiligt

Ergebnisse der Studie positiv / Publikation im hochrangigen Fachjournal Nature

Die Wirksamkeit eines hochmodernen Ansatzes der Krebstherapie, eine individuelle Immuntherapie, bei der für den einzelnen Patienten auf Basis individueller Mutationen seines Tumors ein personalisierter Impfstoff hergestellt wird, zeigt in einer ersten klinischen Studie mit 13 Patienten positive Effekte. Die Ergebnisse der Studie sind aktuell im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Die Studie der Phase I wurde mit Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) durchgeführt. "Das Melanom eignet sich besonders für die personalisierte Immuntherapie, da die Tumorzellen besonders viele Mutationen aufweisen", so Professor Dr. med. Jochen Sven Utikal, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Dermato-Onkologie von Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ). Professor Utikal und sein Mitarbeiter Oberarzt Dr. Christoffer Gebhardt sind an der Studie beteiligt. Entwickelt wurde die Therapie von dem Biotechnologieunternehmen BioNTech und dem an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ansässigen biopharmazeutischen Forschungsinstitut zur Translationalen Onkologie TRON.

Das Prinzip der Therapie basiert darauf, das Immunsystem gezielt gegen die Tumorzellen zu aktivieren. Dazu wird das Erbgut von Tumorzellen und gesunden Zellen des Patienten mittels modernster Sequenzierungstechniken und computerunterstützter Analyse abgeglichen und auf diese Weise tumorspezifische Mutationen, die sogenannte Neoantigene bilden, identifiziert. Unter der Vielzahl von Mutationen werden solche ausgesucht, deren Neoantigene eine gute Immunantwort versprechen. Zu diesen Neoantigenen werden entsprechende personalisierte Impfstoffe hergestellt, die das Immunsystem spezifisch auf die nur auf den Tumorzellen vorhandenen Strukturen ansetzen.

Der Impfstoff, der speziell die T-Helfer-Zellen des Immunsystems aktivieren soll, besteht nicht aus nachgebauten Tumorpeptiden, sondern aus RNA-Molekülen, die den Bauplan für solche mutierte Proteine liefern. Die auf diese Weise individuell hergestellten Impfstoffe enthalten jeweils mehrere unterschiedliche RNA-Moleküle, um die Chance auf eine wirksame Immunantwort zu erhöhen. Im Rahmen der Studie wurden sie den Patienten in Lymphknoten der Leiste injiziert. Die Immunantwort richtet sich gegen die ausgewählten mutierten Proteine auf der Oberfläche der Tumorzellen nicht nur im Melanom selbst, sondern auch gegen Metastasen, falls der Tumor bereits gestreut haben sollte.

"Die Ergebnisse der Studie sind wirklich ermutigend. Es zeigt sich, dass die RNA-basierten Impfstoffe das Immunsystem spezifisch aktivieren können und wir tatsächlich bei der Mehrheit der Patienten dieser frühen und ersten Studie am Menschen ein verlängertes progressionsfreies Überleben beobachten", so Professor Utikal. "Aber es handelt sich hierbei zunächst nur um eine erste Studie mit einer kleinen Zahl von Patienten, die vor allem dazu dient, die Sicherheit des Verfahrens und die Reaktion der Körperabwehr zu überprüfen. Weitere Studien mit größeren Patienten-Kohorten und einer längerfristigen Beobachtung sind notwendig, um die Sicherheit und klinische Wirksamkeit tatsächlich abschätzen zu können."

Publikation
A personalized neo-epitope RNA vaccine mobilizes potent, poly-specific T-cell immunity against cancer
Ugur Sahin et al.
Nature (2017)
Online Publikation: 05 July 2017
doi:10.1038/nature23003

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