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Pressemitteilung

10.10.2017

1 Mio. Euro für die Erforschung einer schonenden Untersuchungsmethode in der Geburtshilfe

Neues Verfahren soll Mikroblutuntersuchung ersetzen / Unter Federführung der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mannheim

Privatdozent Dr. med. Amadeus Hornemann, MPH, Oberarzt an der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), forscht seit 2004 mit dem Ziel, die Geburtshilfe sicherer zu machen. Aktuell erforscht er ein Verfahren, das die so genannte Mikroblutuntersuchung (MBU) ersetzen soll, ein diagnostisches Verfahren am ungeborenen Kind, bei dem die Kopfhaut angeritzt werden muss, um Kapillarblut zu entnehmen. PD Dr. Hornemann will diese "blutige" mechanische Überwachungsmethode durch ein sensorgestütztes, unblutiges Verfahren ersetzen. Das Projekt, bei dem die Universitätsfrauenklinik mit drei mittelständischen Firmen und der Hochschule Mannheim kooperiert, wird vom Bundesministerium für Wirtschaft mit 1 Mio. Euro gefördert.

Die Mikroblutuntersuchung wurde in den 70er Jahren entwickelt, um Auffälligkeiten bei der Überwachung der Herztätigkeit des Fetus mittels Ultraschall (Kardiotokographie, CTG) abzuklären. Die Herzfrequenz ist ein indirekter Parameter und häufig liegt trotz auffälligem Puls des ungeborenen Kindes keine Bedrohung vor. Ergibt die MBU ein unauffälliges Ergebnis, kann eine Gefährdung des Kindes ausgeschlossen werden. Wird dagegen ein auffälliger Wert im entnommenen Blut gemessen, etwa ein erniedrigter pH-Wert, ist eine rasche Entbindung angezeigt, in der Regel in Form eines Not-Kaiserschnitts.

Bereits als junger Assistenzarzt war PD Dr. Hornemann von der Methode des "Anritzens" der kindlichen Kopfhaut während des Geburtsvorgangs nicht überzeugt. Seine Ansätze mit weniger invasiven, automatisierten Verfahren scheiterten in der Vergangenheit an der für die Diagnostik notwendigen Menge des kindlichen Bluts von etwa 20 Mikrolitern (µl).

Aktuelle Untersuchungen haben nun gezeigt, dass eine Bestimmung des Laktats im kindlichen Blut eine ähnlich präzise Aussage treffen kann wie der pH-Wert. Die Laktatmessung wird auch im Sport zur Leistungsdiagnostik angewendet. Vorteil der Laktatmessung ist, dass dafür weniger Blut benötigt wird. In dem vom Wirtschaftsministerium geförderten Projekt will PD Dr. Hornemann jetzt eine Methode etablieren, mit der das Laktat im kindlichen Blut ganz ohne Verletzung der Kopfhaut, sensorgestützt gemessen werden kann.

PD Dr. med. Amadeus Hornemann

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