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Pressemitteilung

19.01.2019

Blutdruck und Rauchen scheinen das Risiko für eine Hirnblutung erheblich zu beeinflussen

Metaanalyse deckt erstmals weltweite Abnahme des Auftretens von Aneurysma-bedingten Hirn-blutungen parallel zur Abnahme von Bluthoch¬druck und Rauchen auf

Eine aneurysmatische Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine spezielle Form des Schlaganfalls, bei der Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidal­raum gelangt, welcher Gehirn und Rückenmark schützend umgibt. Diese Form der Hirnblutung tritt häufig auf, wenn ein Aneu­rysma, eine sackförmige Erweiterung einer Arte­rie, an der Hirnbasis reißt. Subarachnoidalblutun­gen ma­chen zwar nur etwa 5 Prozent al­ler Schlaganfälle aus, aber die Folgen sind höchst bedrohlich: Die Hälfte der Betroffenen ist jün­ger als 55 Jahre, ein Drit­­tel stirbt innerhalb der ersten Tage bis Wochen nach dem Auftreten der Blu­tungen und etwa ein Drit­tel der Überlebenden bleibt dauer­haft auf Hilfe angewiesen.

Die umfassende Metaanalyse wurde von Wis­sen­schaftlern der Neurochirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Neurologischen Klinik der Uni­versität Utrecht, Niederlande, im Fachjournal JAMA Neurology publiziert. Das Ziel war, nicht nur Licht in die sowohl zeit­lich als auch räumlich offenbar recht heterogene Ver­teilung der Inzi­denz der SAB zu bringen, sondern auch potenzielle Determi­nanten nachzuwei­sen, die für einen Rück­gang dieser Er­kran­kung ver­antwortlich sein könnten.

Ausgangspunkt des Projektes wa­ren jüngst veröf­fent­lichte, zum Teil wider­sprüch­­liche Daten verschie­dener registerbasierter oder re­gionaler Studien, die einen Rückgang des Auftre­tens von Subarachnoi­dal­blutungen dokumen­tieren. In die systematische Übersichtsarbeit flossen Meta­daten aller weltweiten, bevölkerungsbasierten Schlaganfallstudien der letzten 60 Jahre ein. Zum einen erfasst die Studie dabei das Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen regio­nal und deren Häufigkeit im zeitlichen Verlauf. Da­rüber hinaus stellt die Metaanalyse erstmals die Ent­wicklung der Faktoren Blutdruck und Rau­chen in Re­lation zur SAB-Inzidenz. Es zeigen sich dabei deut­liche Hinweise auf einen Zusam­menhang zwischen dem Auftre­ten von aneurysmati­schen Hirnblutungen und den Risikofak­toren Bluthochdruck und Rauchen.

Konkret zeigt die Analyse der Daten von 75 Studien mit insgesamt mehr als 8.000 Personen aus 32 Län­dern, dass das Auftreten von Hirnblutungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen hat: Zwischen 1980 und 2010 nahm die Inzidenz für eine aneurys­matische Subarachnoidalblutung weltweit ins­ge­­samt um etwa 40 Prozent ab. Hierbei wurden je­doch große regio­nale Unterschiede nachgewiesen: In Europa sank die Inzidenz um 41 Prozent, in Asien um 46 Prozent und in Nordamerika um 14 Prozent. Hingegen stieg die Inzidenz für SAB in Japan in den letzten drei Jahrzehnten um 59 Prozent. Das Auftre­ten einer SAB ist außerdem nach Alter und Geschlecht unterschiedlich verteilt.

Auffal­lend ist, dass die Entwicklung bzw. Ab­nahme der SAB-Inzidenz weltweit parallel zu der Abnahme des systolischen Blutdrucks und der Raucherprävalenz im selben Zeitraum verläuft. "Ein Gedankenspiel: Stünde die Ab­nah­me der SAB-Inzidenz tat­säch­­­lich unmit­telbar mit der Senkung des systoli­schen Blut­drucks in Ver­bindung, so hieße dies, dass die SAB-Inzidenz mit je­dem Rückgang des Blutdrucks um 1 mmHg um 7,1 Prozent abnähme. Und bezogen auf die Raucherprävalenz bedeute dies, dass die SAB-Inzi­denz um 2,4 Pro­zent pro Prozent Rückgang der Raucherprävalenz abnähme", erläutert Professor Dr. Nima Etminan, Leitender Oberarzt der Neurochirur­gischen Klinik der UMM und Erstautor der wissen­schaft­lichen Publika­tion.

Selbstverständlich lässt die parallele Entwicklung von Blutdruckabfall und Raucherprävalenz mit der Inzi­denz für Subarachnoidalblutungen einen kausalen Zusammenhang lediglich vermuten. Ei­­nen Beleg da­für kön­nen die vorhandenen Daten nicht lie­fern, dafür wären quantitative Daten für diese Risiko­fak­toren auf Bevölkerungsbasis oder auf der Ebene individueller Pa­tienten notwendig. Nichtsdes­to­trotz unterstützt die in der Studie gefundene Asso­ziation die prä­ven­tiven An­sätze, die Risiko­faktoren Bluthochdruck und Rau­chen zu kontrol­lie­ren, um die Gefahr von aneurys­ma­tischen Hirnblu­tun­gen zu reduzieren.

Parallel hierzu gehen die Autoren aktuell auch der wissenschaftlichen Frage nach, ob sich eine Senkung des Blutdrucks bei Patienten mit zufällig entdeckten Aneurysmen, welche nicht primär behandelt sondern mittels Bildgebung kontrolliert werden, günstig auf die Entwicklung der Aneurysmen auswirkt. Dies geschieht im Rahmen der prospektiven Phase III Studie PRO­TECT-U (www.protect-u-trial.com/) an verschiedenen neurovaskulären Zentren in Deutschland, den Niederlanden und bald auch in Kanada.

Die vorliegende Arbeit bietet außerdem Ansatzpunkte für weitere Studien, deren Ergebnisse - wenn sie in entsprechende Strategien der Primärprävention mün­den - tatsächlich dazu beitragen könnten, das Risi­ko für aneurysmatische Hirnblutungen weiter zu redu­zie­ren: Dies wäre die genauere Untersuchung der re­gionalen Unter­schie­de der Inzi­denz von SAB und de­ren Ver­rin­ge­rung, der regiona­len Unterschiede bei alters- und geschlechts­spezifi­schen Inzidenzen sowie deren Be­zie­­hung zu genaueren, quantitativen Daten zum Rauchverhalten.

Publikation:
Worldwide incidence of aneurysmal subarachnoid hemorrhage according to region, time period, blood pressure and smoking prevalence - a systematic review and meta-analysis
Nima Etminan, Han-Sol Chang, Katharina Hackenberg, Nicolien K. de Rooij, Mervyn D.I. Vergouwen, Gabriel J.E. Rinkel, Ale Algra
JAMA Neurology, published online January 19, 2019

Korrespondenz:
Prof. Dr. med. Nima Etminan
Stellvertretender Direktor
Neurochirurgische Klinik
Universitätsklinikum Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim,
Ruprecht-Karls Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68135 Mannheim
Telefon: +49 621 383-5968 oder -8173
Email: nima.etminan@umm.de

Prof. Dr. med. Nima Etminan

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