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Pressemitteilung

Paul-Langerhans-Preis 2021 geht an den Dermatologen Cyrill Géraud

Vom Autismus bis hin zur Lebermetastasierung: Organ-spezifische endotheliale Kontrollfunktionen spielen eine Rolle bei verschiedensten Erkrankungen

Der Preisträger Prof. Dr. Cyrill Géraud

Professor Dr. med. Cyrill Géraud erforscht an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) die organ-spezifische Differenzierung von Endothelien und deren Funktion im gesunden Organismus wie auch im Zuge von Krankheitsprozessen. Das Endothel, eine dünne Schicht von Zellen, die das Innere von Gefäßen auskleiden, ist für eine Vielzahl von physiologischen Funktionen bedeutsam. Es spielt eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen, aber auch bei der Gewebshomöostase und der Angiogenese.

Vor allem die Endothelien der Lebersinusoide, spezialisierter Kapillarräume des Lebergewebes, haben es ihm aufgrund ihrer Besonderheiten in Morphologie, Funktion und Struktur angetan. In den vergangenen Jahren ist es Géraud und seinem Team gelungen, zahlreiche für das Lebersinusoidendothel (LSEC) spezifische Faktoren zu identifizieren und deren Funktionen im LSEC zu untersuchen. Der besonderen Herausforderung, dass zahlreiche dieser Moleküle zwar nicht in anderen Endothelien, aber dafür in anderen Zelltypen verschiedener Organe zu finden sind und daher Untersuchungen mit sogenannten globalen Knock-out (KO) Modellen nur eingeschränkt Rückschlüsse auf ihre Funktion im LSEC zulassen, umgingen die Wissenschaftler indem sie eigens für diese Untersuchungen neuartige Endothel-Subtyp-spezifische KO Modelle generierten.

Mithilfe dieser Modelle konnten sie zeigen, dass diese Moleküle im LSEC entscheidende Kontrollfunktionen, sogenannte angiokrine Funktionen, für zahlreiche physiologische und pathophysiologische Prozesse in der Leber, aber auch in entfernt liegenden Organen, haben. So stellte sich heraus, dass angiokrine Signale des LSEC sowohl globale Stoffwechselprozesse wie die Eisenspeicherung und den Aminosäurestoffwechsel, aber auch Fibrose der Leber und entfernt liegender Organe sowie die Metastasierung in der Leber beim malignen Melanom entscheidend beeinflussen können.

Die Erkenntnisse, die Géraud in den vergangenen Jahren durch die Beschreibung angiokriner Kontrollfunktionen organ-spezifischer Endothelien ausgehend vom Lebersinusendothel gewann, sind für verschiedenste Erkrankungen relevant – vom Autismus bis hin zur Lebermetastasierung des malignen Melanoms – und führte den Dermatologen in unterschiedlichste medizinische Disziplinen. Für seine Forschungstätigkeiten ist Cyrill Géraud aktuell mit dem Paul-Langerhans-Preis der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung (ADF e.V.) ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung stützt sich auf fünf ausgewählte hochrangige Publikationen, die seine erfolgreichen Forschungsaktivitäten der vergangenen fünf Jahre widerspiegeln.

Der insgesamt mit 15.000 Euro dotierte Preis ist die höchste Auszeichnung, die die ADF an „hochqualifizierte dermatologische Wissenschaftler, die sich durch kontinuierliche, erstklassige und innovative Forschungstätigkeiten auszeichnen“, vergibt. Den Paul-Langerhans-Preis 2021 teilt sich Cyrill Géraud mit Professor Dr. Diana Dudziak von der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen.

Cyrill Géraud ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Allergologie und Dermatohistologie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit ist er als Leitender Oberarzt für den gesamten stationären Bereich der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der UMM verantwortlich und leitet darüber hinaus in Kooperation mit dem Pathologischen Institut die Dermatohistologie – die feingewebliche Diagnostik, einschließlich der immunhistologischen und molekularbiologischen Untersuchungen von Gewebeproben der Haut und Schleimhäute.

Paul-Langerhans-Preis der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung (ADF e.V.)

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