Universität Heidelberg
Medizinische Falultät der Universität Heidelberg

Nuklearmedizin

Die Nuklearmedizin umfasst die Anwendung radioaktiver Substanzen in der Medizin zur Funktions- und Lokalisationsdiagnostik sowie die Anwendung offener Radionuklide in der Therapie. Zur diagnostischen Bildgebung in der Nuklearmedizin werden im allgemeinen radioaktive Substanzen (instabile Nuklide) mit verhältnismäßig kurzer Halbwertszeit appliziert, die an einen so genannten Tracer gekoppelt werden, mit dessen Hilfe Stoffwechsel-prozesse nachgeahmt werden können. Zu den am häufigsten verwendeten nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren zählen die Knochenszintigraphie, die Schilddrüsenszintigraphie, die Nierenfunktionsszintigraphie sowie Myokardszintigraphie, die sentinel node-Untersuchungen und Tumorlokalisations-szintigraphien z.B. bei somatostatinrezeptorpositiven Tumoren (so genannte Octeotrid-Szinti-graphie) oder bei neuroektodermalen Tumoren der Neuralentwicklung (Neuroblastome, Phäochromozytome – so genannte MIBG Szintigraphie). Als Verfahren werden die planare Szintigraphie, die SPECT (Single-Photon-Emissions-computer-tomographie) sowie die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) angewendet. Insbesondere die SPECT und die PET können zusätzlich mit Schnittbildverfahren als so genannte Hybridverfahren durchgeführt werden, um als SPECT-CT eine Auflösung von cirka 6-8 mm zu bieten. Die PET-CT stellt ein Hybrid-Verfahren dar, mit dem es möglich ist, insbesondere Tumore sowie Entzündungen mit einer hohen Sensitivität und Spezifität sowohl funktionell als auch morphologisch exakt zuzuordnen.
Die Aktivitätsmengen bei den nuklearmedizinischen Untersuchungen betragen zwischen 60 MBq für eine Schilddrüsenszintigraphie und 700 MBq für eine Knochenszintigraphie bei Karzinompatienten, die Ganzkörperdosis ist in Abhängigkeit von der Untersuchungsart vergleichbar mit der Dosis einer Röntgenthoraxaufnahme in zwei Ebenen und zwei CT-Untersuchungen des Abdomens.

 

 

Skelettszintigraphie

Hierbei erfolgt die Kopplung eines Tracers (typischerweise Methylen-diphosphonat oder Hydroxydiphosphonat) mit 99m-Technetium, das bevorzugt von Zellen der Knochenbildung (Osteoblasten) aufgenommen wird. Dabei zeigt normales Knochengewebe mit physiologischen Umbau-prozessen im resultierenden Szintigramm eine relativ niedrige Aktivität. Zunehmend erhöhte Aktivität weist dagegen auf verstärkten Knochen- umbau hin und lässt somit Rückschlüsse auf krankhafte Vorgänge zu, die an den entsprechen-den Stellen im Skelett ablaufen. Dabei kann es sich um verschiedene zugrundeliegende Erkrankungen handeln.
Knochenmetastasen werden in einem unterschiedlich hohen Prozentsatz korrekt erkannt. Die Rate beträgt bei Prostatakarzinomen und Brustkrebs über 90%, ist bei Bronchialkarzinomen, Schilddrüsenkrebs (follikulär) und Darmkrebs noch über 80% und bei einigen rasch wachsenden Metastasen ohne wesentliche Knochenneubildung unter 50% (Plasmozytom, Nierenzellkarzinome).
Andere Einsatzgebiete, bei denen die Knochenszintigraphie zur Anwendung kommt, sind z.B. Arthrosen, Knochenentzündungen, Knochenbeteiligung bei Arthritis, Lockerungen von implantierten Prothesen (Hüfte, Kniegelenk) oder gutartige Tumore, die mittels Mehrphasenuntersuchungen in 70 – 90% der Fälle richtig erkannt werden können.

 

 

Schildrüsenszintigraphie

Die Schilddrüsenszintigraphie weist weiterhin eine zentrale Bedeutung in der nicht-invasiven Abklärung von Schilddrüsenknoten auf. Die Genauigkeit in der Beurteilung der Stoffwechselaktivität eines Knotens mit einer Grösse von mehr als 1 cm beträgt dabei über 90%. Die Schilddrüsenszintigraphie stellt ein Verfahren dar, in dem die Schilddrüse mittels 99m-Technetium Pertechnetat abgebildet werden kann. Dabei wird die Jodein-schleusung in die Schilddrüse simuliert; damit können so genannte heiße bzw. warme oder kalte Areale erkannt werden. In Abhängigkeit des jeweils dabei vorliegenden Schilddrüsenfunktionsstatus (Euthyreose, Hyperthyreose) sowie des Ultraschalls kann damit über das weitere therapeutische Vorgehen entschieden werden.

 

 

Nierenszintigraphie

Dieses Verfahren stellte eine so genannte dynamische Untersuchung dar, bei der eine Reihe von Bildern in Intervallen zwischen 1 und ca. 240 Sekunden über einen Zeitraum von 20 bis 40 Minuten aufgezeichnet werden. Dadurch können sowohl die Anreicherung als auch die Ausscheidung des Radiopharmakons über die Nieren in die ableitenden Harnwege als Funktionskurven aufgezeichnet werden. Mit einer zusätzlichen Blutentnahme kann die Ausscheidungsleistung der Niere im Verhältnis zur Gegenseite sowie die Gesamtausscheidung der Nieren beurteilt werden. Dieses verfahren ist insbesondere für Patienten mit einer angeborenen Einengung des Harnleiters von Bedeutung, da die Nierenszintigraphie einen wesentlichen Baustein in der Beurteilung der Operationsnotwendigkeit darstellt. Auch kann eine mögliche Abstossung einer transplantierten Niere frühzeitig erkannt werden. Eine weitere Indikation stellt die Nierenfunktion nach Dilatation der Nierenarterie sowie vor einer eventuell geplanten Bestrahlung des Abdomens (z.B. bei Lymphomen) dar.

 

 

Myokardszintigraphie

Eine weitere häufige Untersuchung stellt die Myokardszintigraphie dar. Bei diesem Verfahren wird sowohl in Ruhe als auch unter Stressbedingungen ein radioaktives Nuklid (99m-Technetium) mit einem Tracer gekoppelt, der sich an die Mitochondrien in den Zellen bindet. Durch den Vergleich der Untersuchung unter Stressbedingungen, (Fahrradergometerbelastung und/oder pharmakologische Belastung) mit der Ruheuntersuchung können sowohl Infarktareale als auch soleche Regionen des Herzens herausgearbeitet werden, in denen eine Minderversorgung unter Stressbedingungen besteht und die von einer revaskularisierenden Maßnahme (Stent oder Bypass) profitieren könnten.

 

 

PET-CT

Die PET-CT stellt ein hochmodernes Hybrid-Verfahren dar, mit deren Hilfe z.B. der Glukosestoffwechsel im Körper sowohl von der funktionellen Komponente (PET) dargestellt und mit der morphologischen Komponente (CT) kombiniert werden kann. Dadurch besteht die Möglichkeit, sehr detailgetreue Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu minimal 2 mm zu erhalten. Die Untersuchung wird bei vielen Malignomen, jedoch auch zur Beurteilung von Hirnfunktionsstörungen bzw. entzündlichen Veränderungen herangezogen. Derzeit wird in Deutschland bereits für das so genannte nicht kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) routinemässig von den Krankenkassen bezahlt. Für andere Erkrankungen können je nach Indikation unter Umständen Einzelvergütungen beantragt werden.
Beim initialen Staging beträgt die Genauigkeit der PET-CT (jeweils nur für den am häufigsten verwendeten Tracer FDG beschrieben) in Abhängigkeit von der Tumorart bis zu 95% (malignes Melanom im fortgeschrittenen Stadium, Beurteilung der Lymphknoten bei NSCLC). Für die Therapieverlaufskontrolle wurde in mehreren Untersuchungen die Wertigkeit der FDG-PET-CT für ein Therapieansprechen u.a. für Lymphome, Ösopguskarzinome und Magenkarzinome gezeigt. Bei der Rezidivdiagnostik ist die PET-CT insbesondere bei der Differenzierung Narbe/Rezidiv bei Rektumkarzinomen sowie für eine Vielzahl weiterer Malignome Verfahren der Wahl.

PET CT: (c) Daniel Lukac / Stadt Mannheim© Daniel Lukac / Stadt Mannheim
Das europaweit modernste PET-CT, das so genannte mCT der Fa. Siemens, ist im Juli 2009 am IKRN aufgestellt worden und in Betrieb gegangen.

 

 

Sentinel-node Untersuchung

Eine weitere häufige Indikation stellen die so genannten sentinel node-Untersuchungen (SNL) dar. Diese kommen im Wesentlichen bei Mammakarzinom-patientinnen sowie Patienten mit einem malignem Melanom zum Einsatz. Dabei werden entweder um den Tumor intrakutan (malignes Melanom) bzw. im Bereich der Brust subkutan mehrere Depots mit kolloidaler Tracersubstanz appliziert. Im Anschluss zeigt sich eine Darstellung der Lymphbahnen und im weiteren Verlauf auch der zugehörigen Lymphabflussregionen mit Markierung der Lymphknoten. Diese werden auf der Haut markiert und in der darauf folgenden Operation exzidiert. Bei dieser so genannten Wächterlymphknotenbiopsie kann festgestellt werden, ob der Tumor bereits in die nächste Lymphregion gestreut hat. Damit kann eine genauere Risikoabschätzung bezüglich einer erweiterten Operation erfolgen. Sowohl bei der Sentinel-node Untersuchung des Mammakarzinoms als auch bei malignem Melanom besteht der Vorteil des minimal invasiven chirurgischen Vorgehens auf Basis der SNL Technik. In der eigenen Abteilung werden Detektionsraten von mehr als 95% (Mammakarzinom) bzw. 97% (malignes Melanom) erreicht.

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Telefon: 0621/383 6109

 

 

 

 

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- letzte Änderung am 16.11.2016 -