Journal Citation Reports (JCR), SCImago Journal & Country Rank (SJR), Essential Science Indicators
Diese Datenbanken bieten vorrangig Informationen aufgrund von Zitationsanalysen auf Zeitschriften-, Fachgebiets- und Länderebene und können zum Beispiel dazu benutzt werden, um Zeitschriften auf ihre relative Bedeutung innerhalb eines Fachgebietes zu überprüfen, oder um - als Autor - Zeitschriften für zukünftige Publikationen auszuwählen.
JCR (mit Impact Factor)

In der Datenbank Journal Citation Reports Science Edition der amerikanischen Firma Thomson werden jährlich die Aufsatz- und Zitationsdaten von ca. 6500 hauptsächlich englischsprachigen Zeitschriften aus den Bereichen Medizin, Technik und Naturwissenschaften ausgewertet (Zeitschriftenliste
). Daneben gibt es noch die JCR Social Sciences Edition. Die Daten werden jeweils im Juli eines Jahres veröffentlicht (online und CD-ROM) und beziehen sich auf die Auswertungen des Vorjahres (JCR-Jahr).
Hinweis: Wenn Sie online die Option Search for a specific journal wählen, sollten Sie bei der Suche mit Titelabkürzungen berücksichtigen, dass die Abbreviated Journal Titles in JCR nicht immer mit anderen Abkürzungen übereinstimmen. Sie können zur Sicherheit mit den Full Journal Titles suchen, die als Liste verlinkt sind.
Journal Impact Factor
Der Journal Impact Factor (IF) gibt für eine bestimmte Zeitschrift an, wie häufig die zitierbaren Aufsätze der beiden Jahre vor dem JCR-Jahr durchschnittlich im JCR-Jahr zitiert wurden. Ein Impact Factor von 1,0 bedeutet also, dass jeder zitierbare Aufsatz der vergangenden zwei Jahre durchschnittlich 1 mal zitiert wurde. Die Zitationen können aus der gleichen Zeitschrift stammen.
Beispiel für eine Zeitschrift X im JCR-Jahr 2006:
| IF = | Zahl der Zitationen von 2006 auf die Zeitschrift X der 2 Jahre zuvor |
| Zahl der zitierbaren Aufsätze der Zeitschrift X in den Jahren 2004 und 2005 |
Hinweis: "Zitierbare Aufsätze" im Nenner sind in der Regel research articles und reviews. Im Zähler dagegen werden die Zitationen von allen Dokumenttypen aller Web-of-Science-Zeitschriften auch auf die nicht-zitierbaren Dokumenttypen wie zum Beispiel editorials, letters, news items und meeting abstracts gezählt.
5-Year Journal Impact Factor
Seit JCR 2007 gibt es diesen Wert, bei dem das Zeitfenster für die zitierbaren Aufsätze von 2 auf 5 Jahre erweitert wurde.
Aggregate und Median Impact Factor
Die "Aggregation" fasst Zeitschriften nach Fachgebieten zusammen und errechnet sich wie der Jounal Impact Factor, nur eben für alle Zeitschriften eines Fachgebietes. Der Medianwert bezieht sich auf alle Journal Impact Faktoren des Fachgebietes.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) bietet auf ihrer Website die Medianwerte der Fachgebiete als Mittlere Impact-Faktoren an.
Impact Factor Trend
Eine Grafik zeigt den Verlauf des Journal Impact Factors der letzten 5 Jahre an.
In Web of Science lässt sich dieser Wert aus der Detailanzeige über den Link "View record in Journal Citation Records" anzeigen.
Anmerkungen zum Impact Factor
Um den Wert von Impact Factors richtig einschätzen zu können, sollten unbedingt einige Bedingungen und Schwächen berücksichtigt werden:
- Der Impact Factor sagt nicht zwingend etwas über die Qualität oder Wahrnehmung eines einzelnen Artikels aus, da relativ wenige Aufsätze einer Zeitschrift die Mehrzahl der Zitierungen erhalten!
- Impact Factors sind von Fachgebiet zu Fachgebiet innerhalb der Medizin unterschiedlich und nicht direkt vergleichbar, da zum Beispiel große oder stark wachsende Fachdisziplinen mehr Forscher und Publikationsorgane haben.
- Die Auswahl der JCR-Zeitschriften liegt allein beim Hersteller der Datenbank. Es werden hauptsächlich englischsprachige Zeitschriften ausgewertet. Viele deutschsprachige Fachzeitschriften mit peer-reviewing werden nicht in den JCR aufgenommen.
- Nicht-englischsprachige Zeitschriften haben einen relativ geringeren IF, da die Abdeckung im JCR gering ist und sie aufgrund der Sprachbarriere weltweit weniger Beachtung finden.
- Durch absichtliches Zitieren der gleichen Zeitschrift (Selbstzitation) kann der IF manipuliert werden.
- Zeitschriften, deren Aufsätze regelmäßig wesenlich länger als zwei Jahre zitiert werden (längere Halbwertszeit) werden vergleichsweise schlechter bewertet, siehe Cited Half-Life.
- Neue Forschungszweige werden seltener zitiert.
- Grundlagenforschung wird höher bewertet als klinische Medizin, da sich diese stark auf die Grundlagenforschung bezieht.
- Viele Zitate auf nicht-zitierbare Dokumenttypen erhöhen den IF.
- Zeitschriften mit einem hohen review-Anteil können einen vergleichsweise höheren IF haben, da reviews durchschnittlich häufiger als research papers zitiert werden.
- Zeitschriften mit freiem Zugriff auf die Volltexte (Open Access) haben einen vergleichsweise hohen IF.
(IF von BioMed Central-Zeitschriften, Open Access in der Medizin.)
Die meisten der hier genannten Punkte stammen aus dem Aufsatz Dong; Loh; Mondry: The "impact factor" revisited (veröffentlicht am 05.12.2005).
AWMF-Vorschläge zur Verwendung des Impact Factor (Mai 2000)
- nicht zur Bewertung von Einzelpersonen bei Habilitationen und Berufungen geeignet, sondern ausschließlich für die interne Verteilung von Forschungsmitteln in Instituten/Forschergruppen
- Impaktfaktoren einzelner Zeitschriften sollen gebietsspezifisch gewichtet werden durch Division mit den Mittleren Impact-Faktoren der Fachgebiete (Mediane)
- bei deutschsprachige Zeitschriften, die in JCR gelistet sind, soll der Impaktfaktor verdoppelt werden
- Originalarbeiten aus Fachzeitschriften, die nicht in JCR gelistet sind, sind mit einem "äquivalenten Impaktfaktor" von 0,2 zu bewerten.
- Beiträge in Lehr- und Handbüchern oder Monographien erhalten analog zu den Zeitschriftenveröffentlichungen Ersatzimpaktfaktorenpunkte
Für detailiertere Informationen siehe AWMF-Vorschläge zur Verwendung des "Impact Factor"
Eigenfactor
An der University of Washington wurden auf Basis der JCR-Daten zwei neue Bewertungskriterien entwickelt um die JCR-Journals in eine jährliche Rangfolge gemäß ihrer Bedeutung bzw. ihres Einflusses zu bringen. Die Werte sind auf der Seite eigenfactor.org erläutert, aus rechtlichen Gründen allerdings aktuell erst ab Dezember eines Jahres für das Vorjahr zugänglich - sie sind seit JCR 2007 in JCR verfügbar.
Die Berechnungen berücksichtigen u.a. der Prestige einer Zeitschrift. Es wird ein 5-Jahres-Zeitraum für die Auswertung der Zitationen verwendet. Selbstzitationen werden ausgefiltert.
Der Article Influence Score ist ein Wert für den durchschnittlichen Einfluss der Aufsätze eines Journals und ist daher vergleichbar mit dem Journal Impact Factor. Er wird berechnet aus dem Eigenfactor Score geteilt durch den normalisierten Anteil der Aufsätze eines Journals. Der mittlere AI Score ist 1.
Der Eigenfactor Score ist ein Wert für die Bedeutung eines Journals für die scientific community. Der Wert soll ein Maß für den Zeitanteil sein, den Nutzer mit dem Lesen eines Journals verbringen. Der Gesamtwert aller Eigenfactor Scores der JCR-Journals beträgt 100.
Eigenfactor Metrics - Help
Eigenfactor methods - Erläuterung der Berechnungen
Weitere Werte des JCR
Im JCR werden sowohl für einzelne Zeitschriften, als auch für einzelne Fachgebiete ("Subject Category") weitere Indikatoren ermittelt. Hier finden Sie eine Auswahl:
Journal Rank in Categories
Gibt einen Rankingwert für die jeweilige Zeitschrift im Fachgebiet an, basierend auf dem Journal Impact Factor.
Immediacy Index
Der "Journal Immediacy Index" gibt für eine Fachzeitschrift an, wie häufig ihre Aufsätze in ihrem Publikationsjahr durchschnittlich zitiert wurden. Er errechnet sich aus der Zahl der Zitationen eines Jahres durch die Anzahl der Artikel dieses Jahres. Die zitierenden Artikel können auch aus der gleichen Zeitschrift stammen.
Der "Aggregate Immediacy Index" ist der Wert für ein Fachgebiet.
Cited Half-Life
Der Journal Cited Half-Life ist das mittlere Alter der Aufsätze, die im JCR-Jahr zitiert wurden, d.h. die Hälfe der Zitierungen auf eine bestimmte Zeitschrift bezieht sich auf Aufsätze, die innerhalb des ermittelten Jahr-Wertes (vom JCR-Jahr rückwärts gerechnet) veröffentlicht wurden.
Ein Beispiel: Die Zeitschrift X hat im JCR-Jahr 2006 einen Wert von 7,0 Jahren. Das bedeutet, dass 50% aller Zitierungen von 2006, die sich auf die Zeitschrift X beziehen, zwischen 2000 und 2006 (inklusiv) angefallen sind.
Der "Aggregate Cited Half-Life" ist der Wert für ein Fachgebiet.
Je höher der Wert, desto größer ist also die durchschnittliche Halbwertszeit eines Aufsatzes. Weniger moderne oder weniger schnelllebige Fachgebiete, bei denen das Zitationsmaximum erst nach mehr als 2 Jahren erreicht wird, können einen geringeren Impact Factor unter Umständen mit einer höheren Halbwertszeit durch Multiplikation der beiden Werte ausgleichen, siehe Beschreibung des Impact Factors in Wikipedia (Zugriff am 16.11.07).
Citing Half-Life
Der Journal Citing Half-Life ist das mittlere Alter der Aufsätze die von einer Zeitschrift im JCR-Jahr zitiert wurden, d.h. die Hälfe der Zitierungen in einer Zeitschrift bezieht sich auf Aufsätze, die innerhalb des ermittelten Jahr-Wertes (vom JCR-Jahr rückwärts gerechnet) veröffentlicht wurden.
Ein Beispiel: Die Zeitschrift X hat im JCR-Jahr 2006 einen Wert von 7,0 Jahren. Das bedeutet, dass 50% aller Aufsätze, die von Aufsätzen der Zeitschrift X im Jahr 2006 zitiert wurden, zwischen 2000 und 2006 (inklusiv) veröffentlicht wurden.
Der "Aggregate Citing Half-Life" ist der Wert für ein Fachgebiet.
SCImago Journal & Country Rank
Diese frei zugängliche Datenbank (Scimagojr.com) offeriert u.a. den Wert SCImago Journal Rank (SJR, ab 1999), der mit dem IF vergleichbar ist, in dessen Berechnung aber u.a. das Prestige einer Zeitschrift einbezogen wird. Die Datengrundlage ist die Datenbank SCOPUS (Konkurrenzprodukt zu Web of Science), in der mehr Zeitschriften ausgewertet werden als in JCR/WoS. Es wird ein 3-Jahres-Zeitraum für die Auswertung der Zitationen verwendet. Selbstzitationen werden ausgefiltert. Die Daten werden jährlich im November aktualisiert (neue Jahresauswertung).
Über die Journal-Anzeige werden für Fachgebiete oder einzelne Zeitschriften neben dem SJR z.B. durchschnittliche Zitierungen je Publikation, Anzahl nichtzitierter Publikationen und Grad der internationalen Zusammenarbeit angezeigt.
Mit dem Country Rank lassen sich einzelne Länder und 10 Weltregionen seit 1996 nach Fachgebieten auswerten - die Werte sind u.a. Anzahl der Publikationen, Zitationen pro Publikation (Durchschnitt), Selbszitationen, Nichtzitierte Publikationen und der H-Index (Anzahl der Publikationen h, die mindestens h Zitationen erhalten haben).
Die Compare-Funktion ermöglicht entweder den Vergleich zwischen maximal 4 Ländern bzw. Weltregionen nach Fachgebieten, oder zwischen maximal 4 Journals.
Mit dem Map Generator lassen sich z.B. die Fachgebiete der Medizin mittels Blasendiagramm (Bubble chart) nach verschiedenen Kriterien vergleichen.
Essential Science Indicators (ESI)
ESI bietet u.a. Zitationsraten (Citations per Paper) nach Personen, Institutionen, Ländern und Zeitschriften - immer einschränkbar über eine relativ grobe Fachgebietsunterteilung (z.B. Clinical Medicine, siehe Field List). Highly Cited Papers (last 10 years) und Hot Papers (last 2 years) lassen sich nach den gleichen Kriterien auswählen.
Über den Link Baselines werden die durchschnittlichen Zitationsraten sowie Perzentile nach Einzeljahren (ab 1999), und die Gesamtzitationsraten - jeweils nach Fachgebieten - angezeigt.
Die Research Fronts gruppieren (je Fachgebiet) häufig zitierte Publikationen (Core Papers) zu speziellen Themengebieten.
Auf Aufsatzebene wird jeweils ein Link zu Web of Science angeboten.
Zugriffsmöglichkeiten
- Impact Factor bei Open-Access-Journals
- Bibliometrische Analysen
- Ball; Tunger: Bibliometrische Analysen - Daten, Fakten und Methoden - Grundwissen Bibliometrie für Wissenschaftler, Wissenschaftsmanager, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. 2005
- Glänzel; Debackere: Bibliometrie zwischen Forschung und Dienstleistung. In: Ball (Hrsg.): WissKom 2007 : Wissenschaftskommunikation der Zukunft ; 4. Konferenz der Zentralbibliothek, Forschungszentrum Jülich, 6. - 8. November 2007, Beiträge und Poster. 2007, S. 209-222
- Bauer B.: Habilitationskriterium Impact Factor - Wie evaluieren medizinische Fakultäten wissenschaftliche Leistungen von Habilitanden? 2003
- Essays zu JCR und IF bei Thomson Scientific
- The Thomson Scientific Journal Selection Process