Sie befinden sich hier

Inhalt

Planetary Health

Die Klima- und Umweltkrise stellt das größte Gesundheitsrisiko des 21. Jahrhunderts dar. Bereits heute leiden Millionen Menschen unter ihren negativen gesundheitlichen Auswirkungen, die u. a. durch Hitzewellen, Extremwetterereignisse sowie klimawandelassoziierte Konflikte und Fluchtbewegungen verursacht werden. Vor diesem Hintergrund entstand Planetary Health (deutsch: Planetare Gesundheit) als umfassendes Gesundheitskonzept. Im Zentrum steht das Bewusstsein, dass ein gesundes Leben für uns Menschen nur auf einem gesunden Planeten möglich ist. Diese Einsicht ist einfach und doch fundamental zugleich, wenn sie handlungsleitend verstanden wird.

Um die natürlichen Rahmenbedingungen zu erhalten bzw. wiederherzustellen, die für ein gesundes und gutes Leben notwendig sind, braucht es tiefgreifende Veränderungen in allen gesellschaftlichen Sektoren (z. B. Energie-, Verkehrs- oder Ernährungswende). Im Zentrum stehen Maßnahmen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken und gleichzeitig Co-Benefits in den Bereichen Klima und Umwelt entfalten (sog. Win-Win-Lösungen). Beispiele sind der Ausbau erneuerbarer Energien und die Förderung des aktiven Transports, d. h. des zu Fuß Gehens und Radfahrens. Diese Maßnahmen gehen neben der Vermeidung von Treibhausgasemissionen mit direkten Gesundheitsvorteilen wie der Reduktion von Übergewicht, Diabetes oder Lungenerkrankungen einher.

Im Forschungsfeld Planetary Health untersuchen wir, wie tiefgreifende Veränderungsprozesse insbesondere auf kommunaler Ebene umgesetzt und wie Akteur*innen (z. B. Mitglieder von Kommunalverwaltungen, Bürger*innen) in ihrer Rolle als aktive Gestalter*innen des Wandels (change agents) gestärkt werden können. Des Weiteren entwickeln, erproben und evaluieren wir Maßnahmen, die zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (z. B. Kommunen, Schulen, Unternehmen) beitragen und gleichzeitig positive Effekte auf Klima und Umwelt entfalten.

Neben klassischen Methoden der epidemiologischen und Public Health-Forschung wie cluster-randomisierten Studien oder Mixed Methods-Designs, kommen im Forschungsfeld Planetary Health insbesondere transdisziplinäre Forschungsansätze wie Citizen Science (Bürgerwissenschaften) zur Anwendung.

Die Lehre zu Planetary Health stellt einen weiteren Arbeitsschwerpunkt des Forschungsfeldes dar. In enger Kooperation mit der Abteilung Lehre des MIPH und der Abteilung Lehrforschung der Medizinischen Fakultät Mannheim werden innovative Lehr-Lernformate entwickelt und evaluiert (z.B. klinisches Wahlfach Klimakrise und Gesundheit). Durch ihre Beteiligung an nationalen Arbeitsgruppen tragen Mitglieder des Forschungsfeldes zur Weiterentwicklung der Lehre zu Planetary Health in Deutschland bei (z. B. Co-Leitung der AG Planetare und Globale Gesundheit am Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen).


Projekte

  • Evaluation der Public Climate School: Eine Pilotstudie
  • Evaluation des Kiezblock-Konzepts in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg: Eine Mixed Methods-Studie
  • Entwicklung und Evaluation des Wahlfachs Klimakrise und Gesundheit (Finanzierung: Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre der Baden Württemberg-Stiftung)

Publikationen

  • Wabnitz KJ, Galle S, Hegge L, Masztalerz O, Schwienhorst-Stich EM, Eichinger M, 2021. Planetare Gesundheit - transformative Lehr- und Lernformate zur Klima- und Nachhaltigkeitskrise für Gesundheitsberufe. Bundesgesundheitsblatt 64: 378.
  • Schneider S, Eichinger M, Anderson L, Leer S, 2021. Klimawandel und Gesundheit - klimabedingte Gesundheitsrisiken im deutschen Sport. Prävention und Gesundheitsförderung: 1.
  • Eichinger M, 2020. Planetary Health: Ein umfassendes Gesundheitskonzept zur Überwindung der Klimakrise. Impulse für Gesundheitsförderung 107: 2.
  • Eichinger M, Herrmann M, 2020. Gesundheitswesen und Klimaschutzpolitik: Synergien für eine gesunde und nachhaltige Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Public Health Forum 28: 10.
  • Eichinger M, 2019. Transformational change in the Anthropocene epoch. Lancet Planetary Health 3: e116.

Kontextspalte