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Transkript - Johannes Lenk

Herr Lenk, mit welchen Anliegen wenden sich Betroffene von Stalking am häufigsten an die Sozialberatung?

Erst einmal kommen die Betroffenen von Stalking zu uns, weil sie Informationen möchten über Stalking oder zu ihrem Fall wissen möchten. Wie ist die Einschätzung von uns? Ist es überhaupt Stalking? Geht es hier um Stalking? Und dann möchten Sie, wenn es so ist, natürlich eine Beratung haben. Wie gehen Sie am besten damit um? Wie können Sie sich selber verhalten? Was können Sie tun?

Welche ersten Schritte empfehlen Sie Personen, die von Stalking betroffen sind?

Es gibt, so unterschiedlich die Fälle sind, verschiedene Dinge, die man empfehlen kann. Ganz wichtig ist, so klar zu machen, dass man gar keinen Kontakt mehr möchte. Und das auch wirklich konsequent einzuhalten.

Es ist oft gut, Öffentlichkeit zu schaffen im sozialen Umfeld, am Arbeitsplatz. Es ist wichtig, Dinge zu dokumentieren, damit man auch im Falle einer Anzeige Belege hat. Genau diese rechtlichen Schritte: Anzeige, einstweilige Anordnung beim Amtsgericht das können Schritte sein, über die wir informieren, dass es diese gibt. Und dann ist es natürlich auch ganz wichtig, achtsam zu sein mit den eigenen Daten, mit den eigenen Unterlagen. Was gibt man von sich preis? Und wir weisen natürlich auch auf andere Beratungsstellen, psychosoziale Hilfestellen hin.

Welche Rolle spielt das soziale Umfeld, zum Beispiel Familie, Freundeskreis, Arbeitsplatz?

Das soziale Umfeld ist ganz wichtig, weil es dazu beiträgt, Schutz zu bieten. Und es wirkt aber auch der sozialen Isolation entgegen, die durch Stalking oft entsteht, dadurch, dass man sich öffnen kann.

Und das Thema ist oft sehr Scham besetzt, mit Schuldgefühlen verbunden. Und viele Menschen erzählen eben nicht so gerne darüber. Und wenn das aber gelingt und wenn das möglich ist, dann schafft es einfach auch eine große emotionale Entlastung.

Inwieweit begleiten Sie Betroffene emotional und organisatorisch?

Die emotionale Begleitung ist eins der wichtigsten Punkte in unserer Beratung, da das Stalking oft über einen längeren Zeitraum stattfindet und sich dadurch auch auf die psychische Stabilität auswirkt. Deswegen ist es für viele Menschen ganz wichtig, da emotional jemanden zur Seite stehen zu haben. Aber es geht auch ganz klar um die Strukturierung: Was ist passiert, was ist vielleicht schon versucht worden, was hat funktioniert, was hat nicht so gut funktioniert?

Auch das kann entlastend wirken, wenn Menschen das teilen können und ja, irgendwo man dem Ganzen einen Rahmen geben kann.

Kommen auch Personen zu Ihnen, die selbst Stalking Verhalten zeigen? Wenn ja, welche Unterstützung bieten Sie diesen Personen an?

Tatsächlich bieten wir bei uns in der Beratungsstelle bei Stop Stalking nicht nur den Betroffenen Beratung, sondern haben auch ein Angebot für die TäterInnenseite, für Menschen, die stalken oder den Stalking vorgeworfen wird. Und diese Menschen kommen entweder zu uns, weil sie selber sagen: Ja, ich möchte etwas verändern. Ich sehe ein, ich habe da Grenzen überschritten. Oder weil sie vielleicht geschickt werden von der Justiz, weil es ihnen empfohlen wird, vom Rechtsanwalt, von Angehörigen.

Und dann geht es darum, auch hier drüber zu sprechen. Um was geht es hier? Geht es hier um Stalking? Was ist überhaupt Stalking? Wo geht es Stalking los? Wo geht grenzüberschreitendes Verhalten los? Und natürlich geht es dann darum, wie können die Menschen selbstbestimmter werden, Handlungsalternativen entwickeln, um ein Leben ohne Stalking zu führen, um nicht weiter anderen Menschen zu schaden, aber vor allem auch, sich selber nicht zu schaden. Denn wir haben bei uns in der Beratungsstelle noch nie jemand erlebt, der mit seinem eigenen Stalkingverhalten zufrieden ist.

Vielen Dank Herr Lenk.

Kontextspalte

Johannes Lenk
Geschäftsführer des Bezirksvereins
für soziale Rechtspflege Mannheim

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