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Akutes Leberversagen

Einblicke in die molekularen Mechanismen, die die Regeneration einer schwer geschädigten Leber steuern.

Dr. Tao Lin, der einen großen Teil der Arbeiten im Rahmen seiner Promotion durchgeführt hat.

Akutes Leberversagen ist ein sehr seltenes, aber hochgradig lebensbedrohliches Krankheitsbild. Es ist gekennzeichnet durch den plötzlichen Verlust der Leberfunktion aufgrund eines massiven Untergangs von Leberzellen. Tritt Akutes Leberversagen bei Patienten auf, die durch eine chronische Lebererkrankung oder Zirrhose vorgeschädigt sind, so liegt die Sterblichkeit bei bis zu 70 Prozent innerhalb von 28 Tagen.

Wissenschaftler der Sektion Molekulare Hepatologie der II. Medizinischen Klinik konnten anhand einer Studie mit 19 Patienten aufklären, was Patienten, die ein akutes Leberversagen überleben und Patienten, die daran versterben, voneinander unterscheidet. Sie endeckten, dass in den Patienten, die sich von dem akuten Leberversagen erholten, Leberstammzellen lebenswichtige Funktionen der zugrunde gegangenen Leberzellen, wie etwa die Blutgerinnung, übernahmen und so das Überleben der Patienten sicherten.

Doch wovon hängt es ab, ob Leberstammzellen für die zerstörten Leberzellen einspringen oder nicht? Entscheidend ist dabei offenbar die Aktivität eines leberzellspezifischen Transkriptionsfaktors (HNF4), der mehrere Gerinnungsfaktoren reguliert. HNF4 wiederum wird über einen Mechanismus reguliert, in den der Aktivin-Signalweg involviert ist. Beim Akuten Leberversagen wird die Aktivin-Signalübertragung durch ein aus den Leberzellen stammendes Hormon, Follistatin, negativ reguliert. Patienten, bei denen die Leber in der Lage ist, sich zu regenerieren, weisen ähnlich wie gesunde Kontrollpersonen ein ausgeglichenes Verhältnis von Aktivin zu Follistatin auf.

Eine prospektive klinische Studie an 186 an Zirrhose leidenden Patienten bestätigte schließlich Serum-Follistatin als empfindlichen Biomarker, der das Auftreten und die Sterblichkeit von akut-chronischem Leberversagen vorhersagen kann. Die Studie zeigt auch, wie das Verhältnis von Aktivin zu Follistatin, das zum Teil durch den Insulin- und Glukagonspiegel moduliert wird, das klinische Bild bestimmt.

Die Ergebnisse dieser Arbeiten geben Einblicke in die molekularen Mechanismen, die die Regeneration einer schwer geschädigten Leber steuern. Sie haben das Potenzial, die klinische Praxis hinsichtlich der Diagnose und Behandlung von Patienten mit Akutem Leberversagen zu verbessern.

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